Berlin : Ungewarnt in den Warnstreik: Hunderttausende überrascht

An vielen Haltestellen fehlten Hinweise – auch heute wird noch gestreikt Doppelt so viele Autos auf den Straßen, Strompanne legte Ampeln lahm

Klaus Kurpjuweit

Keine Bahnen und fast keine Busse der BVG, dazu kamen Ampelausfälle, ausgelöst durch Schwankungen im Stromnetz von Vattenfall nach einem Kurzschluss – zeitweise ging gestern früh nicht mehr viel im Berliner Verkehr. Doppelt so viele Autos wie an einem gewöhnlichen Freitag seien wegen des kurzfristig angesetzten Streiks bei der BVG auf den Straßen unterwegs gewesen, hieß es bei den Verkehrsüberwachern vom Traffic Service Berlin. Die Fahrzeiten hätten sich durch das hohe Aufkommen oft um 30 bis 45 Minuten verlängert. Verschärft wurde die Lage, weil ausgerechnet zu Beginn des Berufsverkehrs gegen 7 Uhr zahlreiche Ampeln ausgefallen waren.

Hiervon war besonders das Adlergestell betroffen. Nach Angaben von Traffic Service waren auch die Frankfurter Allee und die Karl-Marx-Allee sowie der Marienfelder, Mariendorfer und Tempelhofer Damm „sehr, sehr voll“. Dichten Verkehr gab es auch auf dem Stadtring, Zufahrten mussten aber im Frühverkehr nicht gesperrt werden. Der Streik bei der BVG soll heute gegen 15 Uhr beendet werden. Bis Bahnen und Busse wieder nach Plan fahren, kann aber mehrere Stunden dauern.

Der Streik hatte gestern nach Mitternacht begonnen. Nach und nach brachten die Fahrer die Bahnen und Busse zu ihren Abstellplätzen, der Nachtverkehr startete nicht mehr. Nur auf Linien, auf denen im Auftrag der BVG private Firmen unterwegs sind, fahren weiter Busse. Weil die BVG dafür meist unbedeutende Linien gewählt hat, hatten Fahrgäste auf Hauptstrecken das Nachsehen, während es auf Verbindungen mit meist nur wenigen Kunden fast Verkehr nach Fahrplan gibt.

Streikposten verhindern auf den Betriebshöfen das Ausfahren der Straßenbahnen und Busse. Allerdings sind fast alle Fahrer Verdi-Mitglieder – und damit streikbereit. Die U-Bahnhöfe sind von der BVG nach Streikbeginn verschlossen worden – „aus Sicherheitsgründen“, wie BVG-Sprecherin Petra Reetz sagte.

Informationen zum Streik gab es aber weder an den Bahnhöfen noch an Haltestellen. Viele Berliner und noch mehr Touristen warteten dort vergeblich. Hinweise, wie „Dieser Betrieb wird bestreikt“ müsse die Gewerkschaft anbringen, sagte Reetz. Dem Unternehmen sei dafür aber auch keine Zeit geblieben, denn der Vorstand sei von Verdi am Donnerstag erst gegen 19 Uhr vom Streik ab Mitternacht informiert worden.

Vorbereitet gewesen sei die BVG dagegen auf einen Streik heute von 3 Uhr früh bis nach 20 Uhr, gewesen, wie ihn Verdi zunächst angekündigt hatte. Auch die elektronischen Anzeigen auf den U-Bahnhöfen und an Haltestellen von Bussen und Straßenbahnen seien auf diesen Termin programmiert gewesen. Sie mussten dann schnell umgestellt werden und „informierten“ die Fahrgäste anschließend zum Teil falsch über den Streikbeginn.

Die S-Bahn hatte nach Angaben eines Sprechers alle Fahrzeuge auf die Gleise geschickt, die einsetzbar waren. Von 641 vorhandenen Einheiten aus jeweils zwei Wagen seien mehr als 600 unterwegs gewesen. Heute will die S-Bahn vor allem das Angebot bei den Fahrten zum Olympiastadion verstärken, wo Hertha gegen Frankfurt spielt (siehe Kasten). Für Fahrten zum Flughafen Tegel hat der Senat auch für heute bei einem privaten Unternehmen Busse bestellt. Sie fahren auf der TXL-Linie alle zehn Minuten zwischen der Mollstraße und dem Flughafen.

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