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Ungewöhnliche Karriere in Berlin : Revierwechsel - von der Gang zur Polizei

Er war Schläger und Straßenräuber, dann Sozialarbeiter und Anti-Gewalt-Trainer. Jetzt wird Fadi Saad Polizist in Berlin. Eine Erfolgsgeschichte, die auch Kritik provoziert.

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Ungleiches Paar. Der ehemalige Sozialarbeiter Fadi Saad und der inzwischen im Ruhestand befindliche Polizist Karlheinz Gaertner auf einem Archivfoto.
Ungleiches Paar. Der ehemalige Sozialarbeiter Fadi Saad und der inzwischen im Ruhestand befindliche Polizist Karlheinz Gaertner...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Fadi Saad ist jetzt Polizist, das heißt, er wird einer. Seit dem 1. September geht der palästinensischstämmige Weddinger in Ruhleben zur Polizeischule. Fadi Saad? War das nicht so ein Schläger und Straßenräuber, ein ehemaliger Intensivtäter, der sich geläutert haben will? Tatsächlich wurde Saad vielen durch seine Bücher bekannt, in denen er nicht nur seine Zeit bei der Gang „Araber Boys 21“ schilderte, sondern auch, wie er sich von der Gewalt abwandte, seinen Schulabschluss nachholte, eine Ausbildung machte.

Er wurde Quartiersmanager, gab hunderte Anti-Gewalt-Trainings an Schulen bundesweit, bekam eine Reihe von Auszeichnungen und wurde sogar von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Paris mitgenommen – als gelungenes Beispiel für Integration.

Trotzdem sehen es einige Polizisten kritisch, dass so einer jetzt auch Polizist wird. Die Information von Saads Karriere sei unter Kollegen „mit großer Bitternis“ aufgenommen worden, heißt es in Polizeikreisen. Manche Beamte zweifeln an seiner charakterlicher Eignung. „Andere Bewerber werden abgelehnt, die noch nie mit der Polizei im Konflikt waren“, sagt ein Polizist. „Und der stand schon mehrfach vor Gericht."

Die Polizeipressestelle will sich zu dem Thema nicht äußern, wie das generell bei Personalangelegenheiten üblich ist.

Kriminalhauptkommissar Karlheinz Gaertner, der viele Jahre in Neukölln eingesetzt war und gemeinsam mit Saad das Buch „Kampfzone Straße – jugendliche Gewalttäter jetzt stoppen“ geschrieben hat, kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Er hat es mit Sicherheit verdient. Fadi hat viel für die Gesellschaft getan.“ Viele kennten ihn ja nur in Zusammenhang mit seinen Büchern. Ein Krimineller sei er nie gewesen, aber einen Jugendarrest habe er mal kassiert, das stimme. Das war wohl ein Weckruf für ihn.

Saad sei nicht vorbestraft und auch niemals angeklagt worden. „Seit ich mit Fadi zusammenarbeite, habe ich bedauert, dass er nicht bei der Polizei ist“, sagt Gaertner. Im Übrigen werde dort nur angenommen, wer eine strenge Leumundsprüfung bestehe. Sollte irgendein Polizist jetzt Gülle über Saad ausschütten wollen, so könne dies nur auf Unwissenheit oder Dummheit beruhen. Gaertner ist mittlerweile pensioniert; und er ist infolge jahrelanger Zusammenarbeit mit Saad befreundet. Beide waren im Juli beim CDU-Fraktionsfest im Zoo als Ordner tätig.

Saad selbst will nichts sagen. Man spürt, dass der mittlerweile 35-Jährige sich diesen Erfolg lange gewünscht hat und ihn nicht gefährden will. Er weiß auch gar nicht, ob er sprechen darf oder, falls er etwas sagen wollte, dafür eine Genehmigung braucht. Also sagt er lieber nichts. Wer beruflich mit ihm zu tun hatte, etwa Mitarbeiter des Quartiersmanagements Moabit-Ost, dessen Leiter er war, ist voll des Lobes. Er habe viel bewegt, hört man überall. Eigentlich ist Saads Geschichte eine Aufsteigergeschichte der Art, wie sie sich Bürgermeisterkandidat Raed Saleh (SPD) wünscht. Saad könnte also wieder einmal zum Vorbild werden.

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