Berlin : Unglückspilot gefeuert

Luxair zieht Konsequenzen aus dem Crash der Maschine/Opfer kamen überwiegend aus Berlin und Brandenburg

Rainer W. During

Die Luxair hat 14 Monate nach dem Absturz der aus Berlin kommenden Fokker 50 den Piloten der Unglücksmaschine, Flugkapitän Claude P., sowie vier hochrangige Mitarbeiter fristlos entlassen. Gegen den bisherigen Chefpiloten der Fokker-Flotte, Flugkapitän Paul N., wurde eine fristgerechte Entlassung eingeleitet. Der Schritt solle „zu jeder Zeit ein Maximum an Sicherheit“ garantieren und „eine optimale Entwicklung der Sicherheitsphilosophie innerhalb der Gesellschaft“ gewährleisten, teilte das Unternehmen mit. Bei dem Absturz der in Berlin-Tempelhof gestarteten Maschine am 6. November 2002 beim Anflug auf den Luxemburger Flughafen waren 18 überwiegend deutsche Passagiere sowie zwei Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Nur ein in Berlin lebender Franzose und der Flugkapitän überlebten das Unglück. Der Untersuchungsbericht nennt schwere Fehler der Piloten, aber auch die unterschiedliche Ausbildung der Besatzungen als Ursachen. Ferner bemängeln die Experten das Fehlen einer zusätzlichen Sicherheitseinrichtung, die das fatale Aktivieren der Schubumkehr während des Fluges verhindert hätte. Sie war vom Hersteller empfohlen, damals aber noch nicht vorgeschrieben gewesen. Fristlos entlassen wurden auch der Vater des Unglückspiloten, Jean P., und Philippe O., zwei ehemalige Flugbetriebsleiter der Gesellschaft. Gehen müssen zudem der frühere Flugsicherheitsoffizier Jean-Paul W. und Jean-Marie S., der damalige Qualitätsmanager. Sie waren bereits im vergangenen Frühjahr ihrer Ämter enthoben worden, die Schlüsselpositionen im Bereich der Flugsicherheit darstellen. Ob sich für die Verantwortlichen auch strafrechtliche Konsequenzen ergeben, ist weiterhin offen. Die Luxemburger Staatsanwaltschaft erklärte, sie habe die Entscheidung der Luxair zur Kenntnis genommen. Ob Anklagen erhoben werden, stehe erst nach Abschluss der noch laufenden Ermittlungen der Justizbehörden fest. Um die Sicherheit der Flüge zu optimieren, hat die Luxair inzwischen in ihre Maschinen ein Sensorsystem zur Aufzeichnung von Flugdaten einbauen lassen. Es kann aber wegen Unstimmigkeiten mit der Pilotengewerkschaft über diese Form der Überwachung der Besatzungen noch nicht eingesetzt werden. Ferner hatte die Fluggesellschaft nach Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes mitgeteilt, dass sie die Kontrollen bei der Flugplanung „verschärft" und die internen Inspektionsprozeduren „überdacht" hat. Ferner würden die Schulungsprogramme über die Zusammenarbeit der Piloten im Cockpit „ständig verbessert".

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