Uniklinik : Charité operiert im grauen Bereich

Ärzte des landeseigenen Uniklinikums arbeiteten für privaten den Krankenhausbetreiber Helios – auf Kosten des Steuerzahlers. Seit 2001 soll sich ein Schaden in Millionenhöhe angehäuft haben.

Holger Wild
Charite-Hochhaus Foto: dpa
Das Charité-Hochhaus in Mitte. -Foto: dpa

Aufgrund mangelhafter Kostenkontrolle am Klinikstandort Buch profitiert der private Krankenhauskonzern Helios offenbar seit Jahren von Steuergeldern, die ihm nicht zustehen. Ärzte der Charité arbeiten in Buch an den beiden Kliniken „Robert Rössle“ für Tumorerkrankungen und „Franz Volhard“ für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Helios 2001 vom Land Berlin gekauft hat. Die Ärzte sind dort aber nicht nur in der Forschung tätig, wie es der damals geschlossene Kooperationsvertrag zwischen Charité und Helios vorsieht, sondern auch in der Versorgung von Patienten – für die Helios verantwortlich ist. Die Gehälter der Mediziner aber zahlte die Charité; seit 2001 soll sich so für den Helios-Konzern ein finanzieller Vorteil von 15 Millionen Euro ergeben haben.

Die Charité gab gestern nicht nur „finanzielle Unschärfen in der Trennungsrechnung“ zu, sondern auch, dass diese Abbrechnung in der Vergangenheit nur „in Grundzügen“ geleistet worden sei. Die Zahl von 15 Millionen Euro wies Charité-Sprecherin Kerstin Endele jedoch zurück. Die Charité-Leitung um den Vorstandsvorsitzenden Detlev Ganten habe die Abrechnung der Kosten für Forschung und Krankenbetreuung seit dessen Amtsantritt im Februar 2004 „weiterentwickelt“. Heute sei die Kostenaufteilung zwischen Charité und Helios „transparent“. Allerdings wurde noch im März und erneut im Mai bei Personalversammlungen in Buch der Vorwurf erhoben, Charité-Ärzte arbeiteten statt in der Forschung in der Krankenversorgung. Personalvertreter machten dafür die Fakultätsleitung verantwortlich.

Ein Helios-Sprecher erklärte gestern lediglich, der „sehr komplexe Sachverhalt“ werde derzeit geprüft.

Die Wissenschaftsverwaltung will die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen: Kenneth Frisse, Sprecher von Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD), sagte, die Verwaltung habe Helios und Charité bereits mehrfach zu einer „klaren Abgrenzung und sachgerechten Zuordnung der Kosten“ an den Kliniken in Buch aufgefordert – und zwar „für Vergangenheit und Zukunft“.

Damit dürfte es nun zum Konflikt zwischen Charité-Vorstand und dem Senator kommen, der Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums ist. Die Charité hält es nämlich laut Sprecherin Endele für „unmöglich“, die „finanziellen Unschärfen rückwirkend auseinanderzudividieren“. Frisse: „Mit dieser Aussage werden wir uns nicht zufrieden geben. Eine saubere Rückwärtsrechnung muss machbar sein.“

Auch im Abgeordnetenhaus wird das Thema zur Sprache kommen. Die FDP-Fraktion hat eine Besprechung des Vorganges für die kommende Sitzung des Hauptausschusses beantragt. „Wir erwarten umfangreiche Antworten von der Wissenschaftsverwaltung“, erklärte Sebastian Czaja, der wissenschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Lisa Paus, forderte eine „lückenlos Aufklärung“ und kritisierte auch die Wissenschaftsverwaltung: Deren Controlling habe offensichtlich versagt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar