Uniklinikum : Lädiertes Image - Wunschdirektor für Charité sagt ab

Bei der Charité häufen sich die schlechten Nachrichten. Nach Gerüchten um Mauscheleien mit dem privaten Helios-Konzern gibt nun auch noch der Wunschkandidat für den Posten des Direktors der Klinik einen Korb.

Ingo Bach,Uwe Schlicht
Chrarité
Spitzenleute gesucht. Die Charité braucht einen Klinikdirektor. -Foto: Jochen Zick

Die Charité bleibt weiter in den Negativschlagzeilen. Jetzt hat der Wunschkandidat für das Amt des Klinikumsdirektors, Reinhold Keil aus Essen, abgesagt. Die wichtige Spitzenposition – der Direktor ist Mitglied des dreiköpfigen Vorstandes der Charité – bleibt damit überraschend weiter vakant. Die Verhandlungen mit Keil hat der Charité-Aufsichtsratsvorsitzende und Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) geführt. Zöllner kommentierte die Absage gestern nicht, hält aber daran fest, dass der Aufsichtsrat im März über die Position des Klinikumsdirektors entscheiden soll. Der bisherige Amtsinhaber Behrend Behrends war im Dezember 2007 vorzeitig zurückgetreten.

Nach Recherchen des Tagesspiegels hatte Keil als kaufmännischer Direktor am Uniklinikum in Essen schon mehrfach Angebote, an andere Universitätskliniken zu wechseln. Er blieb in Essen und dürfte dort in Verhandlungen sein Gehalt verbessert haben. Zuvor hatte Andreas Tecklenburg, der Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover, öffentlich – und das ist in solchen Fällen unüblich – der Charité einen Korb gegeben. Dem Vernehmen nach ging es auch Tecklenburg nur um eine bessere Position in Bleibeverhandlungen.

Beobachter stellen nun die Frage, wieso der Charité-Aufsichtsrat Keil Mitte Januar als Wunschkandidaten öffentlich machte, ohne das Ergebnis von Verhandlungen abzuwarten. Üblicherweise gibt man solche Personalien erst bekannt, wenn ein Vertrag unterschrieben ist. Dies erspart spätere Peinlichkeiten.

Es gebe keine Vakanzen in weiteren Führungspositionen der Charité-Verwaltung, erklärte gestern Dekan Martin Paul auf Anfrage. Die Verwaltung sei trotz des vorzeitigen Ausscheidens von Behrends voll funktionsfähig.

Ein weiterer Punkt, der der Charité angekreidet wird, ist die verzögerte Inbetriebnahme des Tomotherapiegeräts für die Tumorbestrahlung. Diese 3,5 Millionen Euro teure Anlage, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wurde, stand neun Monate lang ungenutzt in einem Lager. Die Charité begründet dies damit, dass man durch die zwischenzeitlich verschärften Strahlenschutzbestimmungen in Berlin den Bau auf dem Gelände des Virchow-Klinikums in Wedding habe umplanen müssen. Statt 70 Tonnen Eisen und Blei für den Strahlenschutz mussten 170 Tonnen verbaut werden. Bei der DFG löste diese Verzögerung trotzdem Unverständnis aus. Denn die anderen drei von ihr geförderten Tomotherapiegeräte an deutschen Unikliniken gingen bereits Mitte 2006 und im Frühjahr 2007 an den Start.

Der dritte Punkt, der die Charité belastet, ist der Vorwurf einer Quersubventionierung der privaten Helios-Kliniken in Buch. Dieser Vorwurf wird zurzeit vom Rechnungshof geprüft. Die Charité beruft sich darauf, dass sie zusammen mit dem Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Buch Forschungsergebnisse in der Krebsbehandlung klinisch erprobe. Es handele sich um neue Therapien, die mit Forschungsgeldern finanziert würden. Die Krankenkassen zahlen den privaten Helios-Kliniken dafür nichts.

Diese Negativdebatte spielt im Wettbewerb um die Bundesgelder für die Forschungsbauten der Charité offensichtlich bereits eine Rolle. Die Charité will am Standort Buch zusammen mit dem MDC ein Zentrum für klinisch-experimentelle Forschung errichten. 30 Millionen Euro sind dafür vorgesehen; der Bund hat jetzt die Summe von sieben Millionen Euro für die Mitfinanzierung zurückgezogen.

In den meisten Fällen aber zieht der Markenname Charité noch. Jährlich kann das Klinikum Drittmittel von rund 100 Millionen Euro einwerben. Mit zwölf Sonderforschungsbereichen steht es an der Spitze aller Berliner Universitätseinrichtungen. Dennoch nimmt die Kritik zu. Dekan Martin Paul kommentiert: „Alles, was sich über die Charité schlecht darstellen lässt, wird sofort Anlass für öffentliche Debatten. Dafür habe ich kein Verständnis."

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