Union Berlin : Drittligaspiel kostet 400.000 Euro

Auch bei unterklassigen Fußball-Spielen muss die Polizei gewalttätige Fans in Schach halten. Vergangene Saison hat sie 246 Partien begleitet. Den Steuerzahler kostet das ungefähr 400.000 Euro - für eine Partie.

André Görke

Im Polizeipräsidium haben sie ganz genau in die Bücher geschaut: Wie teuer ist ein Einsatz, wenn der 1. FC Union gegen Dynamo Dresden antritt? Die Flugstunde im Polizeihubschrauber kostet 470 Euro, ein Wasserwerfer 365 Euro pro Stunde, ein mobiler Flutlichtmast stündlich 125 Euro. Und da ja auch noch 1350 Polizisten im Dienst waren, um das Fußballderby im vorigen Jahr zu sichern, kommt am Ende eine stattliche Summe zusammen: „Dieser Einsatz kostete rechnerisch rund 400 000 Euro“, teilte die Polizei dem Tagesspiegel auf Anfrage mit.

Wochenende für Wochenende finden Fußballspiele mit vielen zehntausend Zuschauern statt. Die allermeisten von ihnen sind friedlich – doch eine kleine Gruppe ist dafür verantwortlich, dass enorme Kosten für den Steuerzahler anfallen. Auch an diesem Wochenende: Das Bundesligaspiel zwischen den rivalisierenden Cottbus und Rostock sicherten 500 Polizisten; in Babelsberg sind heute Nachmittag gegen Dynamo Dresden rund 700 Polizisten im Einsatz. Zudem sichern Bundespolizisten die Züge – auch den der Fans von Hertha BSC, die gestern nach Hannover reisten. Um die Sicherheit zu gewährleisten, hat Brandenburg an diesem Wochenende Unterstützung aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern angefordert.

Um die 1100 Berliner Problemfans – 200 von ihnen gelten als radikal und werden von der Polizei in der „Kategorie C“ geführt („Gewalt suchend“) – kümmern 26 Ermittler der „Ermittlungsgruppe Hooligan“, verdeckten Spezialfahndern des Landeskriminalamtes. In der vorigen Saison hat allein die Polizei 246 Fußballspiele und Turniere begleitet. Und auf die Polizei kommt bald wieder viel Arbeit zu, außergewöhnlich viel: Denn am 8. Mai spielt der 1. FC Union vor mehr als 10 000 Fans gegen Dynamo Dresden. Es ist davon auszugehen, dass einige Männer nicht vom Angebot Gebrauch machen werden, dieses Spiel im RBB live anzuschauen. Von 300 Hooligans aus Dresden war nach Polizeiangaben die Rede, die nach Berlin reisen wollten. Sie sollen nun ausgeschlossen werden, indem Karten nur gegen Vorlage des Personalausweises ausgegeben werden. Dafür sorgen die Vereine.

Die Polizei ist dennoch im Einsatz. „Gemäß Artikel 20 des Grundgesetzes liegt das Gewaltmonopol beim Staat“, teilt die Polizei mit. „Ordnerdienste können nur im Rahmen des sogenannten Jedermannsrechts tätig werden und dürfen ihre Maßnahmen nicht gewaltsam durchsetzen. Daher stoßen sie bei Ausschreitungen sehr schnell an ihre Grenzen und ziehen sich dann zurück, um die weiteren Maßnahmen der Polizei zu überlassen.“

Nun werden Polizisten nicht nur beim Fußball eingesetzt. Drei Tage nach dem Union-Spiel müssen beispielsweise beim Karneval der Kulturen 350 Beamte für die Sicherheit sorgen, obwohl ja hier eigentlich nur getanzt wird. Die Veranstalter kostet das laut Polizei nichts. Im Amtsdeutsch heißt das: „Da die Polizisten – ebenso wie beim Berlin-Marathon, dem Christopher Street Day oder der Fahrradsternfahrt – im Rahmen ihrer amtlichen Zuständigkeit für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit tätig sind, werden den Veranstaltern keine Kosten in Rechnung gestellt.“

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