Union Berlin : Es geht um die Wurst

Lange verkauften Händler vor der Alten Försterei Snacks und Getränke. Doch sie mussten weichen – und vermuten, dem 1. FC Union gehe es ums eigene Geschäft.

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Was zählt, ist auf dem Platz – und auf dem Teller. Der 1. FC Union hat Ärger mit den Händlern, die früher rund ums Stadion Bratwürste und Bier anboten – das jetzt aber wegen Sicherheitsbedenken nicht mehr dürfen. Bei einem von ihnen hat der Rechtsstreit schon zu Anwaltskosten im vierstelligen Bereich geführt.
Was zählt, ist auf dem Platz – und auf dem Teller. Der 1. FC Union hat Ärger mit den Händlern, die früher rund ums Stadion...Foto: Imago

Bei diesem Kampf geht’s um die Wurst – und der Konflikt ist eskaliert. Heute absolviert der 1. FC Union das letzte Heimspiel in diesem Jahr, um 13 Uhr beginnt gegen Arminia Bielefeld die Torjagd. Aber nicht nur auf dem Rasen wird es wohl hitzig zugehen, sondern auch vor dem Stadion an der Alten Försterei gibt es Ärger. Es geht um die mobilen Händler und die Frage, ob sie vor dem Stadion Bier und Wurst verkaufen dürfen.

Der Konflikt hatte im Sommer sogar schon einmal zu Handgreiflichkeiten geführt. Am Rande eines Heimspiels von Union gegen den VfL Bochum musste die Polizei zwei Anzeigen wegen Körperverletzung aufnehmen. Die Kontrahenten lieferten sich eine heftige Auseinandersetzung, mit Schwitzkasten, verdrehten Handgelenken – und begaben sich dann zum Arzt: Prellungen, Hämatome und weitere Verletzungen wurden behandelt und fotografiert. Es war der vorläufige Höhepunkt in einem skurrilen Streit.

In dem geht es um mehrere mobile Händler, die seit langem rund um die Alte Försterei Grillwürste, Bier und Limonade verkauften – günstiger als im Stadion. Damit ist es nun aber vorbei, kraft Anordnung durch das Ordnungsamt Treptow- Köpenick. „Meine gesamte Existenz wird vernichtet“, sagt der 50-jährige Karsten Greger, der rund zehn Jahre lang hier verkaufte. Sein Sohn war einer der beiden Männer, die sich die Rangelei lieferten. Er zeigte den angeblich rabiaten Mitarbeiter des Ordnungsamtes an, der reagierte mit einer Anzeige gegen den angeblich renitenten Studenten.

Greger sagt, an jenem 21. Juli habe sein Sohn mit dem Handy filmen wollen, wie wieder einmal der Grillstand „abgeräumt wurde“. Dabei habe der Mitarbeiter des Ordnungsamts dem Sohn das Telefon aus der Hand geschlagen und ihn malträtiert. Für seine Version der Geschichte gebe es Zeugen, sagt er. Michael Grunst, Leiter des Ordnungsamts, hingegen sagt: „Ich bin in großer Sorge. Die Aggressivität gegenüber meinen Mitarbeitern nimmt immer mehr zu.“ Im Detail will er sich zum konkreten Vorfall aber nicht äußern, ebenso wenig wie zu einer Begebenheit, die sich bei einem früheren Spiel ereignet hat. Da erstattete Karsten Greger Strafanzeige und legte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes ein. Er behauptet, sie habe ihm Unterlagen entwendet, die bewiesen hätten, dass er rechtmäßig an seinem Platz stand. Das Ordnungsamt sieht auch das anders.

Längst ist ein Kleinkrieg entbrannt um Fragen wie: Ist auch ein Gasgrill, wie ihn Greger betreibt, gefährlich für Wald und Menschen – oder nur ein Kohlegrill? Durfte Greger nur aus dem Verkaufswagen heraus verkaufen – oder seinen Stand aufbauen? Er wedelt mit einer Genehmigung, das Ordnungsamt aber hat ihm mehrfach mitgeteilt, dass diese mittlerweile für ungültig erklärt worden sei.

Die Grundlage dafür ist die Regelung zu einem sogenannten „Negativbereich“, die Mitte März ist Kraft trat. Im Umkreis von mehreren Kilometern zwischen Bahnhofstraße und Wuhlheide gilt nun ein Bann für Verkäufer. Betroffen sind alle Straßen und Wege, die Fußgänger für den Anmarsch zum Stadion und bei Konzerten zur Kindl-Bühne nutzen. Fliegende Händler machten hier früher ihre Geschäfte: Reise-Gewerbekarte und Straßen-Sondernutzungsgenehmigung brachten Greger bei einem Heimspiel auch schon mal 500 Euro oder mehr Umsatz ein. Das ist nun Vergangenheit.

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