Union-Spiel : Bundesregierung schweigt zu Verbot von Israel-Flagge

Wie die Bundesregierung das Verbot einer Israel-Flagge beim Spiel des 1. FC Union Berlin bewertet? Gar nicht, teilt das Innenministerium mit. Nun hagelt es Kritik.

Paul Middelhoff
Fans des 1. FC Ingolstadt in der Alten Försterei in Berlin
Fans des 1. FC Ingolstadt in der Alten Försterei in BerlinFoto: imago

Die Bundesregierung will das Verbot einer Israel-Flagge beim Fußballspiel des 1. FC Union Berlin in Köpenick nicht bewerten. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage des Grünen-Abgeordneten Volker Beck hervor: „Verbotsmaßnahmen, wie sie in der Fragestellung beschrieben werden, fallen in die Zuständigkeit der Länder und sind nach dem jeweiligen Landesrecht zu beurteilen“, teilte das Innenministerium vergangene Woche mit. Ohnehin lägen der Bundesregierung zu dem Vorfall "keine Erkenntnisse vor, die über die in der Fragestellung zitierte Presseberichterstattung hinausgingen."

Bei einem Union-Spiel gegen den FC Ingolstadt Ende April in der Alten Försterei hatten Gäste-Fans eine Israel-Fahne geschwenkt, um den israelischen Spieler Almog Cohen anzufeuern. Die Polizei im Stadion hatte die Fahne jedoch verboten. Grund dafür war wohl die Angst vor Ausschreitungen der palästinensischen Gemeinde in Berlin. Der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt hatte sich kurz darauf für das Verbot der Fahne entschuldigt. Die Aktion sei eine Fehlentscheidung gewesen. Auch der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) äußerte sich zu dem Vorfall: "Es ist verständlich, dass dieser Vorfall erhebliche Irritationen ausgelöst hat", sagte Henkel der "Jüdischen Allgemeinen". "Die Entscheidung war falsch."

"Fatales Signal an israelische Sportler"

Volker Beck, Grünen-Abgeordneter im Bundestag und Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, verurteilte die Bundesregierung scharf: "Es ist ein fatales Signal an israelische Sportler in Deutschland und deren Fans: Bekenntnisse zur deutsch-israelischen Freundschaft klingen hohl, wenn man es an diesem Punkt an Klarheit mangeln lässt", sagte Beck dem Tagesspiegel. Er wünsche sich von der Bundesregierung eine Klarstellung darüber, dass die israelische Fahne in Deutschland willkommen und keine Provokation ist. „Es ist einfach unglaublich, warum die Bundesregierung nicht einmal hier eine klare Haltung einnehmen kann", sagte Beck.

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