Berlin : Universal Music: Hamburg ist sauer: Der Medienkonzern zieht an die Spree

cs/dpa

Freude in Berlin, Ärger in Hamburg. Kaum war gestern um die Mittagszeit bekannt geworden, dass der internationale Medienkonzern Universal Music seine Deutschlandzentrale von der Elbe an die Spree verlegen will, jubelte Berlins Vize-Senatssprecher Helmut Lohlöffel: "Der Zug von Medienunternehmen nach Berlin ist unaufhaltsam." Hamburgs Wirtschaftssenator Thomas Mirow will den Umzug nicht ohne Protest hinnehmen. Er vermutete, Berlin habe Universal Music geködert und "in hohem Maße öffentliche Fördermittel" in Aussicht gestellt.

Universal Music vermarktet Popgruppen, handelt mit Musikaufnahmen, produziert Filmmusik und hat dabei hat einen Anteil von rund 26 Prozent am deutschen Musikmarkt. Die Europazentrale sitzt in London, am Hamburger Glockengießerwall koordinieren 500 Mitarbeiter alle bundesweiten Geschäfte. Doch zum Juli 2002 will Universal Music nach Berlin ziehen. Einen Lieblingsstandort habe man sich noch nicht ausgeguckt, sagte gestern Universal Sprecher Magnus von Zitzewitz. Zugleich widersprach er der These, seine Firma habe Berlin wegen dessen finanzieller Großmut favorisiert. Von Zitzewitz: "Wir müssen da sein, wo die Musik spielt, wo die meisten Kreativen leben und wir kreative Mitarbeiter finden. Also spricht alles für Berlin." Die Hauptstadt entwickele sich "zum musikalischen Epizentrum Deutschlands". Fördermittel hätten bei der Entscheidung nur eine marginale Rolle gespielt. Hinzu kam, dass der Mietvertrag der Firma in Hamburg ausläuft. "Wir hätten ohnehin umziehen müssen."

Nach Auskunft des Berliner Wirtschaftssenators erhält Universal Music Fördermittel aus einem Topf der Europäischen Union (EU) für strukturschwache Regionen. Aus Sicht der Hamburger Wirtschaftsverwaltung ist dies allerdings ein Beispiel für eine verfehlte EU-Förderpolitik: "Was nützt es, 500 Arbeitsplätze zwischen Hamburg und Berlin nur umzuverteilen?"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben