Universitäten : Senat will Lehrstuhl für islamische Theologie

Im Senat gibt es Überlegungen, einen Lehrstuhl für islamische Theologie einzurichten. Es gibt bereits Sondierungsgespräche mit den Hochschulen. Das Problem ist die Einigung mit muslimischen Verbänden.

Claudia Keller

Im Moment führe man „Sondierungsgespräche“ mit den Berliner Universitäten und den islamischen Religionsgemeinschaften, sagte der Sprecher der Bildungsverwaltung.

Da in Berlin zehntausende muslimische Kinder zur Schule gehen und ein wachsender Bedarf an gut ausgebildeten Islamlehrern besteht, nimmt das Land auch teil an einer Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates, der die Bundesregierung in Hochschulfragen berät. Die Arbeitsgruppe geht der Frage nach, wie die deutschen Hochschulen besser auf die religiöse Vielfalt in Deutschland reagieren können. Besonders die Muslime seien noch nicht adäquat in Form von Lehrstühlen etabliert, heißt es im Wissenschaftsrat. Bis Ende des Jahres sollen Ergebnisse vorliegen. Im Laufe des Jahres will Berlin seine Empfehlungen einreichen.

An welcher Berliner Universität ein Lehrstuhl für islamische Theologie eingerichtet werden könnte, ist aber noch offen, ebenso die Frage, mit wie vielen Professoren und für wie viele Studenten. Fest steht lediglich, dass Berlin einen großen Bedarf an Islamlehrern hätte, sollte der Volksentscheid am Sonntag erfolgreich sein und Islamunterricht wie der christliche Religionsunterricht fester Bestandteil des schulischen Fächerkanons werden.

„Wir könnten die Islamlehrer theoretisch auch aus anderen Bundesländern beziehen“, sagte Kenneth Frisse, der Sprecher der Bildungsverwaltung. Aber auch woanders gibt es nicht genügend Islamlehrer, die den Berliner Bedarf abdecken könnten.

Bislang werden Islamlehrer - also islamische Theologen – nur an den Hochschulen Münster, Osnabrück, Frankfurt (Main), Erlangen und Karlsruhe ausgebildet. Den Frankfurter Lehrstuhl finanziert die Religionsbehörde der Türkei, weshalb etliche muslimische Verbände dem dort lehrenden Professor mangelnde Neutralität vorwerfen. Die Aleviten etwa verhandeln mit der Frankfurter Universität gerade über einen eigenen Lehrstuhl. Man habe auch im Wissenschaftsrat den Wunsch deutlich gemacht, eigene Lehrstühle einrichten zu wollen, sagte Ali Ertan Toprak, der Generalsekretär der alevitischen Gemeinde in Deutschland. Die Unterschiede zu den Sunniten und Schiiten seien größer als die zwischen Katholiken und Protestanten und unüberwindbar.

Die Fakultät für evangelische Theologie an der Humboldt-Universität ist in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche eingerichtet worden. Denn aufgrund der Trennung von Staat und Kirche dürfen die staatlichen Universitäten nicht die Inhalte der theologischen Fakultäten bestimmen. Entsprechend müsste auch ein Lehrstuhl für islamische Theologie in gemeinsamer Trägerschaft mit den muslimischen Organisationen entwickelt werden. Dazu müssten sich die muslimischen Vereine und Verbände in der Stadt aber erst einmal unter einem Dach versammeln und mit einer Stimme sprechen. Das aber dürfte sehr schwer sein und wird auch in der Bildungsverwaltung als die schwierigste Hürde bei der Einrichtung eines Lehrstuhls angesehen.

Auch in den anderen Bundesländern konnten sich die muslimischen Verbände bislang nicht so einigen, dass sie dauerhaft mit einer Stimme sprechen oder gar den rechtlichen Status von Religionsgemeinschaften erreichen können. Die Lehrstühle für islamische Theologie in den anderen Ländern werden jeweils nur von einzelnen Verbänden unterstützt, was den Nachteil hat, dass die dort ausgebildeten Religionslehrer dann auch nur von einzelnen Verbänden anerkannt werden. Deshalb wird zum Beispiel in einem Modellversuch an Schulen in Nordrhein-Westfalen bislang auch nur das bekenntnisfreie Fach Islamkunde unterrichtet. Islamkunde braucht nicht die Zustimmung der Religionsgemeinschaften und muss nicht von Theologen, sonder kann auch von Islamwissenschaftlern erteilt werden. Wäre der Volksentscheid erfolgreich, könnte das auch für Berlin ein Weg für den Übergang sein.

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