Berlin : Universitäten wollen nicht fusionieren

Präsidenten der großen Hochschulen lehnen Empfehlung der Enquetekommission „Zukunft für Berlin“ ab

Amory Burchard

Sollen die drei großen Hochschulen zu einer „University of Berlin“ zusammenwachsen? Der Präsident der Freien Universität, Dieter Lenzen, lehnt diese Empfehlung der Enquetekommission „Eine Zukunft für Berlin“ ab. Die Berliner Wissenschaft brauche „kleine schlagkräftige Einheiten und keine Flugzeugträger“, um international konkurrenzfähig zu sein. Auch der Präsident der Technischen Universität, Kurt Kutzler, bezweifelt, dass eine Zentralisierung die Berliner Hochschulen effizienter macht. Mit zukünftig je 20000 bis 25000 Studienplätzen hätten die drei großen Universitäten die international als optimal geltende Größe.

Die Enquetekommission des Abgeordnetenhauses empfiehlt dagegen in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Bericht, dass die Hochschulen eine „universitätsübergreifende Verbundstruktur“ bilden, um mehr Geld als bisher zu sparen und wissenschaftlich konkurrenzfähiger zu werden. Unter dem Dach einer „University of Berlin“ sollten sie das bereits geplante gemeinsame Gebäudemanagement verwirklichen – und auch zentrale Einrichtungen für Immatrikulationen, Qualitätskontrollen in Lehre und Forschung oder gemeinsame Abschlüsse bilden. Die Universitäten sollten dabei aber ihre Namen und ihre Identität behalten.

Eine Kooperation, die über die Zusammenarbeit in der Konferenz der Berliner Universitäten (KBU) hinausgehe, hält der Präsident der Humboldt-Universität, Jürgen Mlynek, für sinnlos. Und verweist auf die „abgestimmte Strukturplanung“ bis 2009: Die drei großen Unis bilden Fächer-Schwerpunkte, streichen Professuren und sparen insgesamt 75 Millionen Euro Landeszuschuss. Wissenschaftlich kooperierten die Unis ohnehin sehr erfolgreich, ergänzt Dieter Lenzen: in Dutzenden Projekten bis zu gemeinsamen Sonderforschungsbereichen, für die heute schon Millionenbeträge von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeworben werden. „Was will man denn noch?“

Die Unis sollen bis 2006 ein Konzept für eine „University of Berlin“ vorlegen, heißt es im Bericht der Enquetekommission. Die Uni-Präsidenten lehnen das ab. „Es sind ja auch nur Empfehlungen“, betont Kurt Kutzler. Tatsächlich wolle die Kommission lediglich „eine Diskussion anstoßen“, betont der PDS-Abgeordnete Benjamin Hoff, eines von vier Mitgliedern der Arbeitsgruppe Wissenschaft und Kultur. Keinesfalls wolle die Kommission die Autonomie der Universitäten in Frage stellen oder sie gar zu einem neuen Modell zwingen, nachdem sie schon so viel gespart hätten. Er hoffe aber, dass sie sich der Diskussion über die „politisch sinnvolle“ Fusion stellen.

Vorbild für die „University of Berlin“ soll die University of California (UC) sein, in der zehn Hochschulen – darunter Berkeley und San Francisco – zusammengefasst sind. Ein schlechtes Vorbild, findet Lenzen. Das System UC sei in jüngster Zeit als schwerfällig ins Gerede gekommen. Und Kutzler verweist auf die Pariser Sorbonne, die 1970 in 13 Universitäten aufgeteilt wurde.

Wie sehr die Berliner Unis an ihrer Eigenständigkeit hängen, zeigt jetzt der neu entflammte Streit um die Nobelpreise aus der Zeit vor 1945, die Humboldt- und Freie Universität jeweils für sich allein beanspruchen.

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