Universitätsklinikum : Charité plant Neubau

Der Aufsichtsrat der Charité ist für einen Neubau statt der Sanierung des Bettenhauses in Mitte. Die Finanzierung der zuvor vom Vorstand veranschlagten Baukosten in Höhe von 347 Millionen Euro ist aber noch unklar.

Ingo Bach
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Alle drei bettenführenden Standorte der Charité sollen erhalten bleiben. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Nach Tagesspiegel-Informationen befürwortete der Aufsichtsrat, dem Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) und der neue Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) angehören, bis zum Jahr 2012 nur insgesamt rund 180 Millionen Euro für die geplanten Bau- und Instandsetzungsvorhaben. Damit sind zum Beispiel der Neubau der Vorklinik, der 86 Millionen Euro kosten soll, und die Instandsetzungsarbeiten an der maroden Fassade des Bettenhochhauses am Standort Mitte sowie die erste Tranche des Sanierungsbedarfes unter anderem für die Operationssäle im Benjamin-Franklin-Klinikum in Steglitz, für die der Vorstand 56 Millionen Euro beantragt hat, gesichert.

Für den Neubau eines Bettenhauses in Mitte, der laut Vorstandsplanung bis 2018 gegenüber dem alten Bettenturm errichtet werden könnte, reicht das aber bei weitem nicht aus. Wie berichtet, veranschlagt der Vorstand dafür Gesamtkosten von 347 Millionen Euro. Insgesamt hatte der Klinikumsvorstand eine Vorlage in den Aufsichtsrat eingebracht, die bis 2014 einen Finanzbedarf für Baumaßnahmen in Höhe von 468 Millionen Euro vorsah.

Gleichzeitig fand der Vorschlag des Arztes und Arbeitnehmervertreters im Aufsichtsrat, Oliver Peters, das Bettenhochhaus in Mitte aufzugeben und die Krankenbetten an das Steglitzer Benjamin-Franklin-Klinikum und das Virchow-Klinikum in Wedding zu verlagern, keine Mehrheit. Peters hatte zuvor argumentiert, man könne dadurch 150 Millionen Euro gegenüber der bisherigen Planung einsparen. Danach müsste das Universitätsklinikum komplett auf sein sanierungsbedürftiges Bettenhochhaus in Mitte mit rund 680 Krankenbetten verzichten. Dafür sollte etwa in Steglitz ein Neubau für 300 Betten entstehen, der nach der Aufstellung von Peters nur 46 Millionen Euro kosten soll - ein extrem niedriger Ansatz für einen solchen Klinikbau. „Das wäre nur ein reiner Bettencontainer“, sagt Peters, „ohne teure Operationssäle oder Geräte.“ Außerdem hätte das alte Bettenhaus des Franklin-Klinikums für 72 Millionen Euro saniert werden sollen. Auch dies ist weit entfernt vom Ansatz des Charité-Vorstands.

In Mitte sollten nach diesem Vorschlag nur etwa 200 Klinikbetten, die Polikliniken und Bereiche für Forschung und Verwaltung bleiben. „Das ist ein Paket, mit dem Mitte nicht unzufrieden sein kann“, hatte Peters dem Tagesspiegel gesagt. Sein Vorschlag sei der einzige, der finanzierbar sei und alle Standorte erhalte. „Das, was der Vorstand vom Senat fordert, ist doch nicht bezahlbar.“

Der Gesamtpersonalrat der Charité kritisierte jedoch diese Vorschläge. „Jetzt eine Standortdebatte loszutreten, ist unverantwortlich“, sagte der stellvertretende Personalratsvorsitzende Carsten Becker. Hier handele es sich um die Meinung eines Einzelnen. „Wir unterstützen den Vorstand in seinem Anliegen, alle drei bettenführenden Standorte zu erhalten.“ Ingo Bach

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