Universitätsklinikum : „Die Größe der Charité ist ihre Stärke“

Die Charité wird sich nicht vom Klinikum Benjamin Franklin trennen, obwohl die Freie Universität das Steglitzer Krankenhaus aus der Charité herauslösen und am liebsten wieder ganz zurückhaben möchte.

Das wesentliche Argument zugunsten einer großen, ungeteilten Charité ist aus Sicht von Vorstandschef Karl Max Einhäupl die Größe, wie er am Dienstag bei einem Hintergrundgespräch verdeutlichte.

Je größer ein Universitätsklinikum, umso gewichtiger ist auch sein wissenschaftlicher, medizinischer und wirtschaftlicher Nutzen, sagte Einhäupl. Es sei leichter, Fördermittel einzuwerben, wenn man viele Ärzte und Wissenschaftler vorzuweisen habe, die sich um ein Thema kümmern könnten – und entsprechend große Patientenzahlen.

Mit den 2008 eingeworbenen zusätzlichen Fördermitteln („Drittmittel“) seien 2900 Arbeitsplätze geschaffen worden. Zudem würde eine international renommierte Klinik wie die Charité große Kongresse nach Berlin holen und Ausgründungen von Unternehmen begünstigen. Das Argument, Steglitz sei im Vergleich zu anderen Charité-Standorten vernachlässigt worden, ließ Einhäupl nicht gelten. In Wedding am Virchow- Klinikum, vor allem aber in Mitte seien mehr Abteilungen abgebaut worden. Auch bei den Investitionen sei Steglitz nicht zu kurz gekommen.

Einhäupl will den Konflikt mit der Freien Universität lieber heute als morgen beenden. Auch deshalb, weil nun mit dem Vivantes-Konzern über eine stärkere Zusammenarbeit im Franklin-Klinikum verhandelt werden soll. Für den Charité-Vorstand ist dabei klar, dass das Klinikum Benjamin Franklin erhalten werden und Teil der Charité bleiben soll. Ein Kreiskrankenhaus Steglitz werde es nicht geben.

Das Franklin-Klinikum könne zu einem einzigartigen Zentrum der Altersmedizin werden, sagte Einhäupl. Dieses Forschungsgebiet werde bislang vernachlässigt. Es sei abzusehen, dass in Steglitz und Zehlendorf bald jeder zweite Einwohner älter als 50 sein werde, sagte Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité. Auch deshalb sei der Schwerpunkt einer Medizin der zweiten Lebenshälfte in Steglitz sinnvoll.

Die Charité hat 2008 ein Defizit von 56 Millionen Euro erwirtschaftet. 2009 rechnet man mit einem Minus von 19 Millionen, 2010 mit 20 Millionen. Das Ziel sei, 2011 dann einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, sagte Klinikumsdirektor Matthias Scheller. „Das ist eine große Herausforderung – aber wir glauben, dass es gelingen kann.“ wez

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