Universitätsklinikum : Ein Neubau würde die Charité 350 Millionen Euro kosten

Das Universitätsklinikum legt einen Planung zur Sanierung des Bettenhochhauses vor. Am Montag trifft sich der Aufsichtsrat mit Finanzsenator Nußbaum.

Ingo Bach

Soll das Charité-Bettenhochhaus in Mitte saniert werden oder stattdessen ein Neubau her? Ist der Vertrag mit der Dienstleistungstochter CFM noch zu halten, und soll das Universitätsklinikum mit dem kommunalen Klinikkonzern Vivantes fusionieren? Die Tagesordnung der bevorstehenden Aufsichtsratssitzung der Charité, die am kommenden Montag stattfinden soll, ist umfangreich. Und spannend. Denn an der Sitzung wird der neue Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) teilnehmen. Und der hatte vorher schon mal durchblicken lassen, dass nicht alles von dem, was der Charité eigentlich schon an Unterstützung zugesagt worden ist, finanzierbar sein werde.

Die Sanierungsplanung für das 27 Jahre alte und marode Bettenhochhaus in Mitte ist nun konkret. Der Charité-Vorstand hat zwei Varianten durchrechnen lassen: Sanierung des Hochhauses oder stattdessen ein Neubau. Die Instandsetzung würde nach Tagesspiegel-Informationen rund 320 Millionen kosten, ein ersetzender Neubau rund 350 Millionen Euro. Angesichts der Schwankungen in solchen Berechnungen, die Experten auf bis zu 20 Prozent beziffern, nehmen sich beide Varianten in ihren finanziellen Auswirkungen nicht viel. Ein Platz für den möglichen Neubau ist jedenfalls schon gefunden: Er könnte auf dem Geländeteil des Charité-Campus errichtet werden, auf dem heute ein Dienstleistungskomplex mit der Kantine steht.

Ein Hauptargument spreche für den Neubau, sagt Charité-Chef Karl Einhäupl: Die Risiken einer Hochhaussanierung bei laufendem Betrieb entfielen. „Wir können zum Beispiel nicht abschätzen, wie sich der Baulärm auf die Patienten auswirkt.“ Außerdem könnte die Charité auf den Anbau des Bettenhochhauses in Richtung Robert-Koch-Platz, in dem unter anderem der OP-Trakt untergebracht ist, verzichten. Dieses Gebäude könnte vermietet oder verkauft werden.

Beide Varianten werden gleichberechtigt geprüft, versichert Einhäupl. Ein Abriss des Hochhauses stehe auch bei einem Neubau nicht zur Debatte. Denn man benötige noch Teile dieses Wahrzeichens für nichtmedizinische Bereiche und Räume für die Lehre, die im Neubau keinen Platz fänden. Die nicht benötigten Teile des Bettenhochhauses oberhalb der zehnten Etage könnte man verpachten.

Beide Projekte benötigen nach dieser Planung mehr Zeit als in dem Bau-Masterplan, der bis 2015 reicht, kalkuliert. Eine Sanierung könnte im Jahr 2011 beginnen und wäre bis 2017 vollendet, der Neubau würde wegen der umfangreicheren Vorbereitungsarbeiten 2012 starten und wäre frühestens 2018 fertig.

Unabhängig davon verbräuchten beide Varianten den vom Senat im Landeshaushalt eingeplanten Sanierungsbetrag für die Charité von rund 300 Millionen Euro. Deshalb will Einhäupl auch die Gesamtinstandsetzung aller vier Hauptstandorte in Mitte, Wedding, Steglitz und Buch – die bisher auf über 600 Millionen Euro taxiert wird – auf weit nach dem Jahr 2015 strecken.

Die Kooperation mit dem zweiten landeseigenen Klinikunternehmen Vivantes soll dagegen – auch auf Druck des Senats – schneller vorangehen als bisher. Er strebe schon 2009 einen Vereinbarung mit Vivantes über die geplante Zusammenlegung der Labore an, sagte Einhäupl. Bis es dann tatsächlich ein gemeinsames Labor gebe, vergingen mindestens drei Jahre. Denn wie sein Amtskollege von Vivantes befürwortet auch Einhäupl einen Neubau für das Großlabor, der bis zu 30 Millionen Euro kosten könnte.

Mehrere weitere Kooperationsprojekte ließen sich nach 2010 umsetzen, sagt Einhäupl. Er hält es auch für möglich, dass beide Unternehmen eines Tages fusionieren, so wie es Politiker fordern. „Doch dann müsste es für beide Unternehmen einen Vorteil daraus geben. Das muss man in Ruhe prüfen.“

Der Aufsichtsrat will sich auch mit dem 2012 auslaufenden Vertrag mit der Charité Facility Management GmbH (CFM) beschäftigen. Die CFM ist eine Tochterfirma des Universitätsklinikums, die Dienstleistungen wie Reinigung, Wäscherei oder Essensversorgung erbringt. 51 Prozent der Anteile hält die Charité, 49 Prozent gehören privaten Partnern. Dabei geht es um viel Geld: 2008 zahlte die Charité an die CFM knapp 113 Millionen Euro für ihre Dienste. 2005 war die CFM gegründet worden, um die Arbeiten, die zuvor rund 200 mittelständische Firmen für das Klinikum für jährlich 148 Millionen Euro erbrachten, zu zentralisieren und dabei Geld zu sparen. Doch die CFM steht in der Kritik. Jüngst bemängelte der Rechnungshof, der Vertrag mit der Gesellschaft sei „in auffälliger Weise zugunsten der privaten Partner“ abgeschlossen worden. Angesichts solcher Kritik ist vor der Sitzung des Aufsichtsrates dem Vernehmen nach unsicher, ob der Vertrag mit der CFM überhaupt verlängert – oder vielleicht sogar vorfristig gekündigt wird.

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