Universitätsmedizin Berlin : Auftrag ohne Befugnis? Charité-Dekanin im Fokus

Der Aufsichtsrat der Charité tagte, doch Gesamtvorstand und Fakultät streiten wohl weiter. Auch bei Vivantes gibt es keine Ruhe: Ärzte stimmen für Streik.

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Das Bettenhochhaus der Charité am Campus Mitte.
Das Bettenhochhaus der Charité am Campus Mitte.Foto: dpa

In der Charité sind am Montag richtungsweisende Gespräche geführt worden. Unter Leitung von Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat sich zunächst der Aufsichtsrat der Universitätsklinik getroffen: Wirtschaftsprüfer hatten den Charité-Haushalt kontrollieren sollen, nachdem im März bekannt wurde, dass an der Fakultät 35 Millionen Euro Drittmittel unkorrekt verbucht worden seien. Damals musste sich Fakultätsdekanin Annette Grüters-Kieslich rechtfertigen. Die von Charité-Chef Karl Max Einhäupl beauftragten Prüfer haben nicht nur Drittmittelbilanzen, sondern auch Aufträge kontrolliert. Dies könnte der Fakultät erneut schaden: In der Amtszeit von Grüters-Kieslich soll eine Architektin für Aufträge bezahlt worden sein, die der Vorstand hätte absegnen müssen.

Auftrag ohne Befugnis oder Eingriff in die Forschung?

Vergleichsweise kleine Summen hätten sich über Jahre auf 700000 Euro addiert, heißt es in einem Compliance-Bericht der Prüfer. Die Dekanin soll bestreiten, die Aufträge selbst erteilt zu haben. Am 16. Juni tagt der Aufsichtsrat erneut – Thema: Grüters-Kieslich. Stellungnahmen der Charité lagen bislang nicht vor. Bekannt ist allerdings, dass die Drittmittelbilanzen sowie der Einsatz der Architektin zumindest im Prinzip dem Vorstand bekannt waren. Viele Charité-Wissenschaftler unterstützen die Dekanin und äußerten den Verdacht, die Charité-Spitze wolle mit den Vorwürfen begründen, dass sie den Forschern die Kontrolle über Gelder entziehen müsse. Auch im Abgeordnetenhaus befürchten einige, unter dem Spardruck des Senats werde an der landeseigenen Charité die Autonomie von Forschung und Lehre angegriffen.

Protest vor der Charité. Die Schwestern und Pfleger dort fordern derzeit nicht mehr Lohn, sondern bessere Arbeitsbedingungen.
Protest vor der Charité. Die Schwestern und Pfleger dort fordern derzeit nicht mehr Lohn, sondern bessere Arbeitsbedingungen.Foto: dpa

Am Montag gab es an der Charité aber nicht nur Streit. So haben sich die externen Schlichter in der Tarifrunde zwischen Pflegekräften und Vorstand getroffen. Nach Tagesspiegel-Informationen empfehlen sie dem Vorstand, doch mehr Personal einzusetzen. Nun werden die ausgesetzten Tarifverhandlungen wieder aufgenommen. Hintergrund ist der Personalmangel in deutschen Kliniken: Im Schnitt betreut eine Charité-Schwester in der Normalpflege zwölf Patienten.

Ebenfalls am Montag hat der Marburger Bund die Urabstimmung unter seinen Mitgliedern bei Vivantes ausgewertet: Mehr als 90 Prozent hätten für einen Streik votiert. Die Verhandler der Ärztegewerkschaft werden die Zahlen nun der Klinikkette mitteilen.

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