• Unruhe beim Personal im Krankenhaus Waldfriede : Babymord: Schon 250 Frauen gaben ihre DNA-Probe ab Unruhe beim Personal im Krankenhaus Waldfriede / Kripo: Wer nicht kommt, wird einzeln von der Polizei aufgesucht

Unruhe beim Personal im Krankenhaus Waldfriede : Babymord: Schon 250 Frauen gaben ihre DNA-Probe ab

Etwa 250 der 450 im Krankenhauses Waldfriede beschäftigten Frauen haben bis gestern Nachmittag ihre Speichelprobe abgegeben und sich fotografieren lassen.

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Wie berichtet, will die Polizei mit dieser „freiwilligen Abgabe“ den rätselhaften Säuglingsmord vom 8. Juli aufklären. An diesem Tag war mittags ein mit 15 Messerstichen ermordeter Junge in der Babyklappe des Zehlendorfer Krankenhauses abgelegt worden. Die Kripo vermutet, dass die ältere der beiden mit Phantombildern gesuchten Frauen im Krankenhaus arbeitet. Sie soll sich mit der jüngeren Frau, die mit dem toten Kind im Arm per U-Bahn nach Zehlendorf kam, vor dem Bahnhof Krumme Lanke getroffen haben. Gemeinsam hätten sie den etwa zwei Tage alten und voll entwickelten Jungen in die Klappe gelegt, in der eigentlich Mütter ihre ungewollten Kinder anonym in die Obhut von Ärzten geben sollen. Nach Angaben von Chefermittlerin Gina Graichen gingen bis gestern 128 Hinweise ein – der entscheidende Tipp war noch nicht darunter.

Deshalb hat die Kripo alle weiblichen Angestellten schriftlich aufgefordert, ihren Speichel abzugeben und ein Foto vom polizeilichen Erkennungsdienst anfertigen zu lassen. In dem Brief heißt es zur Begründung, dass „die Täterin/-nen über einen engen Bezug zum Krankenhaus verfügen“ müssen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, „dass die Mutter des getöteten Kindes oder eine Angehörige in der Klinik beschäftigt ist oder war“, heißt es in dem Brief weiter.

Die Ermittlungsgruppe „Babyklappe“ hat den 450 weiblichen Beschäftigten drei Tage Zeit gegeben, am heutigen Donnerstag warten die Experten der Kripo ein letztes Mal von 6.30 bis 16.30 Uhr in einem Saal der Klinik. „Wir werden die n dann abgleichen mit den Urlaubslisten und Krankmeldungen“, sagte Chefermittlerin Gina Graichen dem Tagesspiegel. „An die fehlenden Frauen treten wird dann einzeln heran“, kündigte Graichen an. Die Auswertung dieser Massen an DNA-Proben werde Wochen dauern.

Angeschrieben wurden alle 400 Angestellten der Klinik und die etwa 50 Frauen, die in den vergangenen Monaten in Waldfriede gearbeitet oder gejobbt haben. Männliches Personal sei vorerst nicht betroffen, weil es „keinen dringenden Verdacht gibt, dass der Vater des Säuglings dabei ist“. Die Kripo betont, dass die DNA-Probe auf „freiwilliger Basis“ erfolge. „Zwingen können wir keinen“, hieß es. Das Vorgehen sei mit der Staatsanwaltschaft abgesprochen. Wie es bei den Ermittlern gestern hieß, gäbe es allerdings eine gewisse Unruhe beim Personal – dies berichtete auch die Klinikleitung: „Es gibt Sorgen bei den Mitarbeiterinnen, was mit den Speichelproben und den Fotos geschieht“, berichtete der Kaufmännische Leiter, Christian Dreißigacker. Besonders gegen die Anfertigung der Fotos gäbe es Bedenken, „es gibt die vage Angst, dass das eigene Bild irgendwann in der Zeitung ist“, sagte Dreißigacker. Die Kripo sicherte zu, dass alle Proben und alle Fotos später vernichtet würden und nur für diesen Fall verwendet werden, berichtet der Klinikleiter. „Ich habe einen Zettel mit einer Nummer bekommen, den ich mir beim Fotografieren vor den Bauch halten musste“, berichtete eine Krankenschwester.

Im Unterschied zu der freiwilligen Abgabe steht die zwangsweise Abnahme von DNA-Material bei Straftätern – wenn ein richterlicher Beschluss dazu vorliegt. Nach diesem Verfahren wird derzeit die bundesweite Gen-Datei erstellt, in der alle Schwerverbrecher wie Mörder und Vergewaltiger erfasst werden. Mit diesem DNA-Material sollen künftig Verbrechen aufgeklärt werden – so wie vor einem Monat der Mord an einem 63-jährigen Mann in Weißensee. Die Kripo hatte am Tatort winzige Blutspuren gefunden – der Rest war dann Routine für den Computer des Bundeskriminalamtes. Denn Oliver A. war nach einer früheren Verurteilung wegen Totschlags DNA-Material entnommen und in der zentralen Kartei des BKA gespeichert worden. Zwei Wochen nach der Tat wurde Oliver A. festgenommen – er gestand die Tat schon in der ersten Vernehmung. Für die Polizei ist die Bluttat von Weißensee der erste Mord in Berlin, der per DNA-Abgleich gelöst wurde.

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