Unser aller RBB : Schaltet euch ein!

Wir zahlen dafür, aber wir wollen es nicht mehr sehen, unser gebührenfinanziertes Regionalfernsehen. Dabei hätte der RBB die Kritik der Verweigerer bitter nötig – für eine echte Programmreform.

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An alt und bemoost wie Schild und Treppe ist auch das Programm des RBB.
An alt und bemoost wie Schild und Treppe ist auch das Programm des RBB.Foto: dpad

Tut mit leid, aber ich will mir das nicht anschauen. Vielen geht es wie mir. Ich gehöre zu den 94 Prozent der Berliner und Brandenburger, die jeden Monat für ein Fernsehprogramm zahlen, das sie nicht interessiert. Wir sind die alltäglichen Opfer eines Serienbetrugs, und das Irre ist, dass wir uns nicht einmal darüber beschweren. Im normalen Wirtschaftsleben wäre das ein Fall für den Verbraucherschutz. Aber hier geht es um eine öffentlich-rechtliche Anstalt: das RBB-Fernsehen.

Der Sender hat ein Problem, er verliert sein Publikum. Mit 6,1 Prozent Marktanteil liegt das gebührenfinanzierte Regionalfernsehen auf dem letzten Platz der dritten ARD-Programme. Mein sogenanntes Drittes habe ich, wie vermutlich die große Mehrheit in der Hauptzielgruppe des Senders, längst auf einem der hinteren Programmspeicherplätze abgelegt. Beim Zappen schalte ich weiter, sobald das RBB-Logo in der Bildschirmecke erscheint. Bleibe ich ausnahmsweise mal länger hängen im ARD-Heimatsender und unterdrücke die üblichen Wegschaltreflexe, dann sehe ich beige-rote Studiodekos (unsere S-Bahn!), in denen Moderatoren stehen, die genauso angezogen sind wie Passanten in der Wilmersdorfer Straße. Es gibt Talk mit Eberhard Diepgen, Gorilla & Co, Defa-Konserven, Hausfrauen-Ratgeber, Kiez-Reportagen oder Best of Helga Hahnemann – und ich muss sagen: Ich kann drauf verzichten.

Stephan Wiehler will beim RBB nicht mehr einschalten. Und findet's schade.
Stephan Wiehler will beim RBB nicht mehr einschalten. Und findet's schade.Foto: Mike Wolff

Das Geld wird weiter fließen, egal ob irgendwer einschaltet

Dabei habe ich nichts gegen Regionalfernsehen, im Gegenteil. Ich lebe seit 20 Jahren in Berlin, ich bin Lokaljournalist, ich interessiere mich für die Hauptstadt, ich fahre gern ins Umland. Ich bin überzeugt, dass man hier gutes und ambitioniertes Fernsehen machen kann, vor allem, wenn man dafür mehr als 60 Prozent der 346,6 Millionen Euro Rundfunkgebühren ausgibt, die der RBB im vergangenen Jahr bekommen hat. Wohlgemerkt: 94 Prozent dieser Summe stammt von Leuten, die gar nicht hinschauen, wie das Fernsehen aussieht, das mit ihrem Geld produziert wird.

Das Problem ist: Das Geld wird weiter fließen, egal ob irgendwer einschaltet. Das Tragische ist: Wer nicht zuschaut, verpasst eines der schlechtesten Regionalprogramme, das die ARD-Senderfamilie zu bieten hat. Das ist schade: Denn nur, wenn die Verweigerer mal einschalten würden, könnte wertvolles Wut- und Kritikpotenzial frei werden, das die Senderverantwortlichen dringend bräuchten, um ihre für dieses Jahr angekündigte Programmreform mit der nötigen Radikalität umzusetzen.

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