Berlin : Unser Mann in Hollywood

Klaus Wowereit an der Westküste (1): Große Gala mit Max Raabe zum 35. Jahrestag der Städtepartnerschaft mit Los Angeles – organisiert vom „Sister City Commitee“

Gerd Nowakowski[Los Angeles]

Von Gerd Nowakowski,

Los Angeles

Kein Schwein ruft mich an? Von wegen! Rosemarie Reisch kann sich derzeit über mangelndes Interesse nicht beklagen. Max Raabes Song über einsame Herzen trifft garantiert nicht auf die Vorsitzende des „Los Angeles Berlin Sister City Commitee“ zu. Der Sänger hat sogar einiges damit zu tun, dass bei Reisch permanent das Telefon klingelt. Denn ihr Verein bereitet seit Wochen die Feierlichkeiten zum 35. Jahrestag der Städtepartnerschaft Berlin-Los Angeles vor.

Ein gewichtiger Grund, weshalb auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit am vergangenen Montag mit Gefolge nach L. A. flog und auch einen Treff mit Rosemarie Reisch vereinbart hat. Höhepunkt der Feierlichkeit: Am heutigen Mittwoch wird es in Los Angeles für 900 Gäste einen Cocktail-Empfang geben. Am Abend tritt Max Raabe mit seinem Palast-Orchester erstmals an der Westküste der USA auf. Nahezu 1300 Gäste werden in der Royce Hall erwartet.

Seit zehn Jahren ist die gebürtige Hamburgerin Rosemarie Reisch die Vorsitzende des Vereins. Anfang der sechziger Jahre kam sie mit ihrem Mann, einem Arzt, aus Berlin an die Pazifikküste. Unermüdlich betreibt sie Sympathiewerbung für Berlin und überzeugt Sponsoren. In ihrem großzügigen Anwesen in San Marino, einem Vorort im Osten von Los Angeles, ist sie regelmäßig Gastgeberin. Hermann Prey hat in ihrem Haus bei einem Benefiz-Konzert gesungen, Armin Müller-Stahl war dort und Maximilian Schell zählte zu den Gästen. Selbst von einem Dinner für 130 Personen lässt sie sich nicht abschrecken. Alles ist ehrenamtlich – und für Rosemarie Reisch nahezu tagesfüllend.

Rund 180 Mitglieder hat der Verein. Zumeist sind es Berliner, die es privat oder beruflich nach Kalifornien verschlagen hat. Auch einige Unternehmen wie die Lufthansa engagieren sich. Geld von der Stadt Los Angeles oder dem Berliner Senat gibt es nicht. Die Initiative ist deswegen auf regelmäßige Benefiz-Veranstaltungen und Fundraising-Aktionen angewiesen. So gibt es unter anderem ein Austauschprogramm für junge Berufstätige, wurden Treffen von Filmemachern gefördert oder Fotoausstellungen über Berlin gezeigt. Für ihre Arbeit wurde Rosemarie Reisch im Frühjahr mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. In L. A. habe sich in den letzten Jahren das Bild von Berlin sehr positiv entwickelt. Die deutsche Hauptstadt gelte als aufregender Ort mit viel Kreativität.

Der 85-jährige Ernst Hermann war einer der Begründer des Initiative. Der heutige Ehrenvorsitzende wuchs in Charlottenburg auf, bis seine jüdische Familie 1936 nach Los Angeles flüchtete. In Berlin besaß der Vater eine Buchdruckerei. In Los Angeles war Ernst Hermann als Immobilienhändler erfolgreich. Trotz seiner Vertreibung blieb Berlin seine Heimat – und die Städtepartnerschaft sollte das Ansehen Berlins in den USA stärken. Ein Anliegen, das er anlässlich des jetzigen Jubiläum-Besuchs aus Berlin auf handfeste Weise unterstützt: Die Mitarbeiter Wowereits wurden für einige Tage in seinem großen Haus in Beverly Hills untergebracht. Damit sich das arme Land Berlin die hohen Hotelkosten sparen kann.

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