Berlin : Unser Vater, der Atlantikflieger

Über Charles A. Lindberghs geheimes Liebesleben gibt es nun ein Buch. Seine Söhne stellten es vor

Andreas Conrad

Klar, über Flugzeuge haben Vater und Sohn auch gesprochen, Dyrk Hesshaimer erinnert sich gut. Zum Beispiel 1969 über die neue „Concorde“. Völlig überflüssig, schimpfte der Vater. Unwirtschaftlich, verpeste nur die Umwelt. Ob man es von New York nach Paris in drei statt in sechs Stunden schaffe, sei egal.

Seinen Vater kannte der 1958 geborene Hesshaimer als „Careu Kent“, Amerikaner und nur hin und wieder bei ihm, den Geschwistern und der Mutter zu Besuch in Schwabing, da er doch jenseits des Atlantik noch eine, die offizielle Familie besaß. Kein Gedanke, dass genau er es war, der 1927 zuerst von New York nach Paris geflogen war – in 33 Stunden, 30 Minuten und 30 Sekunden, als Charles A. Lindbergh. Für so einen spielen drei Stunden mehr oder weniger wirklich keine Rolle.

Vor knapp zwei Jahren erhielt das von vielen Biographen gezeichnete Lindbergh-Bild eine völlig neue Facette. Auf seinen zahlreichen Reisen nach Europa hatte der Atlantikflieger nicht nur im Auftrag der PanAm und der US-Regierung das dortige Flugwesen studiert, sondern auch sein Herz verloren. Ende der 50er Jahre hatte er in München die Hutmacherin Brigitte Hesshaimer kennen gelernt – Beginn eines Doppellebens, das bis zu seinem Tode 1974 dauern sollte. Lindbergh konnte dies geheimhalten, trotz der drei Kinder Dyrk, Astrid und David und trotz zweier weiterer Beziehungen mit Brigittes Schwester Marietta und einer gemeinsamen Freundin, was jeweils auch nicht ohne Folgen blieb.

Nach dem Tode ihrer Mutter Brigitte 2001 gingen die drei Lindbergh-Kinder an die Öffentlichkeit. Das Familiengeheimnis sollte endlich gelüftet werden. Ein Buch ist daraus entstanden, das Dyrk und David Hesshaimer mit Autor Rudolf Schröck gestern Abend bei Dussmann in der Friedrichstraße vorstellten.

Wer sein Vater wirklich war, hatte Dyrk Hesshaimer schon kurz nach dessen Tod herausgefunden. Als er ein Zeitungsfoto mit einem Bild im Familienalbum vergleichen wollte, war dieses ausgetauscht worden. Seine Mutter, danach befragt, habe zu weinen begonnen. Steinchen für Steinchen, so erzählte er gestern Nachmittag im Maritim-Hotel, habe er sich die Wahrheit zusammengesucht. Sein 1967 geborener Bruder erfuhr es erst von der Mutter, als er volljährig war. Zweifel an der Vaterschaft, wie sie anfangs in den Medien geäußert wurden, gibt es seit einem Gen-Test nicht mehr.

Der Vater plötzlich ein Fliegerheld? Mittlerweile sind die beiden Seiten Lindberghs für die Brüder zusammengewachsen. Fast – denn eigentlich, sagt Dyrk Hesshaimer, stehe das Bild des Vaters doch weiterhin im Vordergrund.

Dyrk Hesshaimer, Astrid Bouteuil, David Hesshaimer mit Rudolf Schröck: Das Doppelleben des Charles A. Lindbergh. Der berühmteste Flugpionier aller Zeiten – seine wahre Geschichte. Heyne Verlag, München. 368 Seiten 19,90 Euro

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