Berlin : Unsere Besten

Vom Taxikollektiv zum Weinladen: Die Enoteca Blanck & Weber in Wilmersdorf

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Die Weinhändler Jürgen Weber (links) und Werner Blanck. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Die Weinhändler Jürgen Weber (links) und Werner Blanck. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Deutscher Wein? Wer trinkt denn so was! Es ist noch nicht lange her, da rümpfte der Connaisseur allein beim Gedanken daran die Nase. Ihm kamen nur Franzosen, Italiener und Spanier ins Glas. „Deutschen Wein musste man den Leuten früher nachtragen“, erzählen Jürgen Weber und Werner Blanck. Heute steht er gleich am Eingang des Wilmersdorfer Ladens, in kundenfreundlicher Höhe: Philipp Kuhn, Matthias Gaul, Bassermann Jordan, Juliusspital. Beste Weine zu zivilen Preisen.

Es hat sich viel getan, bei den Winzern ebenso wie bei den Kunden, seit der Laden in der Ludwigkirchstraße 1998 eröffnet hat. Und noch mehr, seit Werner Blanck in dem finsteren Kellergeschäft von Klaus Griepenburg in der Holsteinischen Straße in den 80er Jahren als Aushilfe jobbte. Eigentlich war er Kunde dort. „Und dann hatte ich den Laden plötzlich an der Backe“, sagt Blanck und lacht. ’93 war das.

Vom Taxikollektiv zum Weinhändler: Berlinischer geht’s nicht. In den 70er Jahren hatten sie sich dort bei der Arbeit kennengelernt, der Norddeutsche und der Schwabe, der Volkswirtschaftler und der Germanist. Jürgen Weber hatte schon als Jugendlicher seinen Vater auf dessen Exkursionen ins Elsass begleitet, wo sie erst gut aßen und dann bei den Weingütern einkaufen gingen, war später oft bei seiner Schwester, die in Südfrankreich lebt. Werner Blanck kam in Italien auf den guten Geschmack. Eher zufällig war er auf der Rückreise von Griechenland in Rom gelandet. Es war eine Entdeckung. So etwas hatte der heute 59-Jährige noch nicht erlebt, eine solche Art des Essens und Trinkens, des Genießens.

Entspannt geht es in der Enoteca zu. Hier kann man spanischen Ribera del Duero für 35 Euro, 1a Chianti und Brände kaufen, auch ein paar ausgesuchte Lebensmittel, edle Pasta, alter Balsamico, Kapern. Doch niemand wird blöd angeguckt, wenn er eine Literflasche kauft. Von denen gibt’s hier immer ein paar im Angebot, aber: Sauber muss er sein. Man pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu den Kunden, unter denen viele Frauen sind, redet über Wein, über Bücher, Musik und das Prinzenbad. Oder die Seezunge, die es am Abend geben soll, und was am besten dazu passt. Blanck und Weber sind leidenschaftliche Köche, für sie gehören Wein und gutes Essen zusammen.

Ein bisschen ist es, als käme man zu jemandem zu Besuch, in eine Berliner Altbauwohnung mit Parkett auf dem Boden und Stuck an der Decke und Backstein an der Wand. Die Einrichtung ist geschmackvoll auf zurückhaltende Art, im Mittelpunkt steht ein großer Holztisch mit grüner Linoleumplatte, den hat ihnen ein Kunde, ein Architekt entworfen, der fand das alte wacklige Modell zu oll. Der Tisch ist ein Zeichen der Gastfreundschaft, auf ihm steht immer was zum Probieren bereit. Und wenn jemand neugierig auf eine Flasche ist, wird auch die aufgemacht.

Italien sind Blanck & Weber treu geblieben, der Wein bildet immer noch einen Schwerpunkt des Ladens an der kulinarischsten Kurzstrecke Berlins: Auf dem Abschnitt zwischen Uhland- und Fasanenstraße reiht sich ein Feinkostladen an den anderen, darunter Biobäcker Tillmann und einer der besten Gemüsehändler der Stadt. Im Moment schwärmen die Weinhändler besonders für Apulien und Sizilien, „da kann man noch viel entdecken“. Und die Entdeckungslust treibt sie an. Blanck und Weber, die sich ganz auf Europa konzentrieren, haben etliche Winzer, die es nirgends sonst in der Stadt gibt, sie importieren fast alles direkt. Deshalb fahren sie auch mal eine Woche lang durch Venetien, auf der Suche nach einem guten Prosecco. Der, den sie dabei gefunden habe, Mass Bianchet für sechs Euro, ist ihr Bestseller: 12 000 Flaschen im Jahr.Susanne Kippenberger

Enoteca Blanck & Weber, Ludwigkirchstraße 11, 10719 Berlin, Tel. 886 799 60

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