Berlin : Unsere kleine Love Parade

Fest für die Familie statt Umzug mit Ravern: „Planet pro Berlin“ lockte Tausende in den Tiergarten

Sebastian Leber

An die Love Parade erinnerte erstmal nur wenig, bis zum Nachmittag wirkte „Planet Pro Berlin“ wie ein gut besuchtes Straßenfest. Entlang der Straße des 17. Juni reihten sich dutzende Schmuck-, Uhren- und Sonnenbrillenstände, etliche Essensbuden lockten mit Würstchen oder Softeis. Auch das Publikum entsprach nicht unbedingt dem einer Techno-Veranstaltung: Weit und breit keine Muskelshirt-Träger, kaum knallig gefärbte Haare, dafür Eltern mit ihren Kindern an der Hand. Nein, das konnten keine Raver sein. „Ein Fest für die ganze Familie“, sagte DJ Marco Danneberg kurz vor seinem Auftritt. Die Atmosphäre gefiel ihm, auch wenn vor seiner Bühne bisher noch niemand getanzt hatte: „Das kommt noch, das wird noch richtig wild“.

So sah es auch Sandrina Koemm. Sie gehört zum kleinen Kreis von ehrenamtlichen Helfern, die gemeinsam das Planet Pro Berlin als Ersatzveranstaltung für die zum zweiten Mal in Folge ausgefallene Love Parade auf die Beine gestellt haben. Über 100 DJs mussten engagiert, zehn Bühnen entlang der Straße des 17. Juni aufgebaut und allerhand Papierkram mit der Stadt und ihren Ämtern geregelt werden. Zwei Wochen arbeitete das Team durch, damit es dieses Jahr doch noch ein Techno-Fest im Tiergarten geben konnte.

Nun zeigte sich Koemm überrascht, dass trotz Dauerbewölkung so viele Menschen zu den Bühnen gekommen waren: „Die Polizei hat schon in den ersten 20 Minuten 2000 Leute gezählt, das hatten wir nicht zu träumen gewagt“.

Gute Stimmung auch bei den Besuchern: „Das Fest hier kommt von Herzen“, sagte Jürgen Laska, Krankenhaus-Mitarbeiter aus Spandau. Der 48-Jährige ist ein Techno-Veteran, hat bereits bei sechs Love Parades mitgetanzt. Nach dem „verkorksten Ersatz-Umzug“ im vorigen Jahr sehe es nun wieder besser aus für die Techno-Szene: „Wir kommen wieder alle zusammen und die Bewegung geht weiter“, sagte Laska. Als Zeichen der Hoffnung trug er ein Transparent mit der Aufschrift „Love Parade 2005“ bei sich.

So etwas wie die Love Parade werde es bestimmt nicht mehr geben, sagte dagegen Lars Kubic, ein Teil des DJ-Duos Trick & Kubic. Das „übergroße Medienmonstrum Love Parade“ sei zuletzt nur noch eine Farce gewesen und deshalb auch zurecht gescheitert. Kubic, der mit seinem Stück „High“ auch die offizielle Hymne von „Planet Pro Berlin“ komponiert hatte, war nach seinem Auftritt überzeugt, dass die neue Veranstaltung im Tiergarten ein „Zeichen für die Gesundung der Techno-Szene“ darstelle. Die elektronische Musik sei zurück in den Untergrund gegangen und werde jetzt wieder von den Menschen gemacht und gehört, denen sie am Herzen liege. „Und nicht mehr von denen, die nur an ihr verdienen wollen“, sagte Kubic. Für den weiteren Verlauf des Tages rechnete auch er damit, dass „die Menschen noch dicht gedrängt auf der Straße tanzen werden.“ Insgesamt sei die Veranstaltung Planet Pro Berlin das Beste, was der Berliner Szene passieren könne, meinte Kubic.

Weniger begeistert waren die Jogger und Picknicker im Tiergarten. „Ich höre immer nur Umpf Umpf“, klagte einer. Die Bands vorige Woche auf dem Live-8-Festival hätten ihm deutlich besser gefallen – „da hab’ ich noch eine Melodie rausgehört.“

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