Unter Ausschluss der Öffentlichkeit : Eurokritische AfD gründet Landesverband Berlin

Seit diesem Samstag gibt es einen Berliner Landesverband der Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland". Doch nur wenige Berliner können sich auch vorstellen, die AfD zu wählen, wie eine Umfrage zeigt.

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Alte Bekannte. Hans-Olaf Henkel (li.) und Alexander Gauland bei der AfD.
Alte Bekannte. Hans-Olaf Henkel (li.) und Alexander Gauland bei der AfD.Foto: dpa

Die Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) hat sich am Sonnabend in Tegel getroffen, um einen Berliner Landesverband zu gründen – unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Medien. Nach Auskunft von Parteisprecherin Dagmar Metzger wählten die knapp 200 anwesenden Mitglieder am Abend Matthias Lefarth, Annette Goldstein und Günther Brinker zu ihren Sprechern. Brinker hatte sich erst in der Stichwahl als dritter Sprecher gegen den im Vorfeld favorisierten Finanzfachmann Christian Schmidt durchgesetzt. Keinen Chefposten erhielt hingegen der frühere FDP-Abgeordnete im Berliner Landesparlament Axel Hahn, der zum nationalliberalen Flügel der FDP zählte.
Außerdem nahmen der schon als Galionsfigur für die AfD etablierte frühere Industriepräsident Hans-Olaf Henkel sowie der einstige hessische CDU-Staatskanzleichef und Publizist Alexander Gauland – ehemaliger Kolumnist beim Tagesspiegel – teil. Beide waren bereits beim Gründungsparteitag der Bundes-AfD vor zwei Wochen dabei.

Während drinnen unter mächtigen Leuchtern und einer Diskokugel in den Tegeler Seeterrassen getagt wurde, hatten sich draußen nach Auskunft der Berliner Polizei etwa eine Handvoll NPD-Anhänger und doppelt so viele Gegendemonstranten versammelt. Die Mikro-Kundgebungen blieben laut Polizei friedlich. Zuvor hatte AfD-Mann Schmidt bereits betont, dass ehemalige Mitglieder rechtsradikaler Parteien ferngehalten werden sollen.
Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der „Berliner Zeitung“ käme die AfD bei einer Wahl zum Abgeordnetenhaus aktuell auf zwei Prozent der Stimmen – genug also, um ihre Wahlkampfkosten erstattet zu bekommen, aber deutlich zu wenig für den Einzug ins Landesparlament. Bundesweit läge die AfD bei drei Prozent. Eine Hürde ist die inhaltliche Fokussierung auf die Auflösung der Eurozone: Nur neun Prozent der befragten Berliner gaben einer monothematischen Partei dauerhafte Erfolgschancen.

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