• Unter den Linden/Friedrichstraße: Filetgrundstück frei - Senat sucht millionenschwere Feinschmecker

Berlin : Unter den Linden/Friedrichstraße: Filetgrundstück frei - Senat sucht millionenschwere Feinschmecker

L. Heinke,M. Oloew

Immer wieder ist von Filetgrundstücken die Rede, wenn Bauherren ihre Pläne für die City vorstellen. Dieses Areal ist wirklich eins, 2300 Quadratmeter an der berühmten Straßenecke Unter den Linden/Friedrichstraße. Nachdem der Senat die Kaufoption der Firma CMC von Maik Uwe Hinkel zurückgezogen hat, soll das Grundstück jetzt öffentlich ausgeschrieben werden. 30 000 Mark könnte ein Quadratmeter bringen, in der Summe also 69 Millionen Mark für die Landeskasse. Erst kürzlich hat der Senat dem Bezirk Mitte die Genehmigungshoheit entzogen.

Die Ausschreibung für das Grundstück wird im Amtsblatt der Europäischen Kommission und in überregionalen Tageszeitungen veröffentlicht, "um weltweit Investoren mit interessanten Nutzungsvorschlägen zu gewinnen", sagt Holger Lippmann, Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds Berlin als zentraler Ansprechpartner für Investoren, die an landeseigenen Grundstücken interessiert sind. "Die berühmte Ecke ist so wichtig, dass die besten Vorschläge einer möglichst großen Zahl von Interessenten zur Auswahl stehen sollten". Die Nutzung des Areals zwischen dem Hotel "Unter den Linden" und der Friedrichstraße sollte der Ausschreibung nach großstadtbezogen und in gesamtstädtischem Interesse sein; das Land Berlin strebe hier eine mediennahe Nutzung an, sagt Holger Lippmann. Bereits vor der offiziellen Ausschreibung hätten zahlreiche Investoren ihr Interesse angemeldet. Der Verkehrswert liege bei einem "ziemlich hohen Millionenbetrag", auf den das Land Berlin nicht verzichten könne und wolle - ganz im Gegensatz zum Bezirk Mitte, der die kleine parkähnliche Grünanlage mit Bänken und 14 Ahornbäumen als grüne Oase und Platz zum Verweilen im steinernen Meer des City-Bezirks gern erhalten hätte. Nun soll mit der berühmt-berüchtigten "Blockrandbebauung" die letzte Lücke (zwischen Dussmann-Kaufhaus und Kreuzung Unter den Linden) geschlossen und das ursprüngliche (Vorkriegs-)Straßenraster wiederhergestellt werden. "Städtebaulich sind die Würfel gefallen - Verkauf und Bebauung gehören zu einem Senatsbeschluss", sagt Peter Strieders Sprecherin Petra Reetz, "allerdings muss, wer das Filetstück erwirbt, eine Teilfläche für den Bau der U 5 freilassen". Schwacher Trost für alle, die untätig dem Tag entgegensehen, an dem die Bänke demontiert und die Bäume auf Beschluss des Senats gefällt werden. Das wäre frühestens in einem Jahr der Fall, nachdem das Land den Investor ausgewählt und das Abgeordnetenhaus dem Verkauf zugestimmt hat.

Vorschläge, den lichten architektonischen Einschnitt in die Häuserflucht zu belassen oder zu vervollkommnen, gibt es genug. Der jüngste kommt vom Pankower Maler und Grafiker Manfred Butzmann. Er möchte einen Zweitguss von Waldemar Grzimeks Heinrich-Heine-Denkmal vom Weinbergsweg zwischen die Baumreihen stellen - der Dichter hat seine Spaziergänge an dieser quirligen Kreuzung literarisch verewigt: "Ja, Freund, hier unter den Linden kannst du dein Herz erbaun..."

Der Bezirk hat stets zu verhindern versucht, dass das Areal bebaut wird. Zunächst sollte der Platz gänzlich frei und damit ein Stück DDR-Stadtplanung sichtbar bleiben, die dieser markanten Kreuzung durch solch Platz noch mehr Bedeutung zukommen lassen wollte. Der Platz auf der anderen Straßenseite, vor dem alten Lindencorso, ist längst verschwunden und häßlich bebaut. Einen ähnlichen Klotz wie das neue Lindencorso will der Bezirk auf keinen Fall. Mit Hinkels CMC hatte man sich daher im Rathaus Mitte auf einen Kompromiss verständigt: Hinkel sollte sein Medienzentrum bauen dürfen, wenn er im Gegenzug ein Drittel der jetzigen Platzfläche entlang der "Linden" frei lässt. Auf die Karte CMC/Hinkel hatte der Bezirk auch deshalb gesetzt, weil so das denkmalgeschützte Hotel Unter den Linden mit seinem stilechten DDR-Interieur erhalten werden könnte. Das ist im Besitz der Deutschen Interhotel und damit der Deutschen Bank. Die Interhotel will jedoch den Bau aus den 60er Jahren abreißen und stattdessen einen Naubau errichten, in den Ausmaßen vergleichbar dem Lindencorso von gegenüber. Die Pläne sind nicht neu. Seit der Wende versucht man, ein neues Hotel zu bauen - unter Einbeziehung des Filetgrundstücks. Mal scheiterte es an ungeregelten Eigentumsverhältnissen auf dem Areal, das jetzt noch als Platz erhalten ist, dann wieder machte der Interhotel ein konkurrierendes Baukonsortium den Grund und Boden streitig. Seit nunmehr zehn Jahren liegt der Platz brach, weil auch der Bezirk kein Geld hineinsteckt, wenn die Zukunft des Platzes nicht gesichert ist.

Egal wie der Streit ausgeht - so schnell wird an der Ecke nicht gebaut werden können. Mindestens drei Jahre müssen die Investoren noch warten. Verantworlich dafür ist der geplante Bau der U-Bahnlinie 5. Sie braucht einen Kreuzungsbahnhof mit der Linie 6 direkt unter der Ecke Friedrichstraße/Linden, und der Platz wird zum Lagerplatz, wahrscheinlich ohne die Bäume.

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