Berlin : Unter den neuen Linden

Viele Bäume auf dem Boulevard sind krank – sie werden ersetzt und die Gehwege verbreitert

Cay Dobberke

„Ungenügend und gestalterisch unbefriedigend“ findet Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) den Zustand des Boulevards Unter den Linden. Deshalb soll im September die Umgestaltung weitergehen. In einem ersten Schritt war schon der Bereich vom Pariser Platz bis zur Wilhelmstraße mit breiteren Gehwegen und Schmuck-Pflastersteinen verschönert worden.

Auch die Gehwege bis zum Reiterstandbild von Friedrich II. will Strieder um 2,85 Meter verbreitern lassen, wie er gestern ankündigte. Dies sei auch wegen der wachsenden Zahl von Passanten wichtig. Die Bäume an den Bürgersteigen werden verpflanzt oder ersetzt. Die Mittelpromenade bleibt auf der gesamten Strecke unverändert.

Im September beginnen die Arbeiten zunächst in einem Bauabschnitt bis zur Glinkastraße. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 soll dann der gesamte Boulevard in neuem Glanz erstrahlen. Die Kosten von 12,7 Millionen Euro zahlt zu zwei Dritteln der Bund.

200 der 302 Linden gelten als so schwer geschädigt durch Streusalz und undichte Gasleitungen, dass sie nicht mehr zu retten sind. Die Ersatzlinden werden seit längerem in Baumschulen herangezogen und sollen beim Einpflanzen fünf bis sechs Meter messen – der alte Bestand ist etwa doppelt so hoch. Die gesunden der bestehenden Bäume können fast alle verpflanzt werden, weil die meisten Linden in den geplanten Bauabschnitten erst wenige Jahre alt sind. Bei 30 bis 40 Jahre alten Bäumen sollen Experten im Einzelfall entscheiden. Möglich werden die breiteren Gehwege durch schmalere Fahrbahnen für Autos und Busse (jeweils 11,15 statt 14 Meter). Die Kehre an der Russischen Botschaft entfällt zu Gunsten der Mittelpromenade.

Die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling forderte gestern, einen der vier Fahrstreifen pro Richtung aufzugeben; der Boulevard sei nach der Schließung des Brandenburger Tores ohnehin keine Bundesfernstraße mehr. Auch der Bürgerverein „Forum Stadtbild Berlin“ verlangte, eine Fahrspur zu streichen und dafür die Mittelpromenade zu verbreitern. Schließlich zeige das Beispiel Kurfürstendamm, dass je eine Park-, Bus- und Autospur ausreichend seien. Doch Strieder hält es für unmöglich, den Verkehr stark zu reduzieren. Viele fänden es „einfach schick, die Linden entlang zu fahren“.

Attraktiver machen möchte der Senator vor allem die Umgebung der Staatsoper. Um „den Platzcharakter deutlich zu stärken“, entfallen die Parkplätze in der Straßenmitte. Als Ersatz soll 2004 die Tiefgarage am Bebelplatz eröffnen. Auf den Bereich bis zur Glinkastraße folgen bis 2006 die weiteren Bauabschnitte zwischen Charlotten- und Universitätsstraße, von dort bis zur Schlossbrücke und von der Glinka- bis zur Charlottenstraße.

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