Berlin : Unter der Gürtellinie

Profi-Boxer Trabant wurde des Diebstahls bezichtigt – und freigesprochen

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Der Jubel war groß: „Trabbi“ eroberte sich im Weltergewicht den Europameistertitel. Das war im April 2002. Mit deutlichen Kampfspuren stieg der Berliner Michel Trabant damals aus dem Ring. Ruhm hatte er sich erkämpft – und finanziell stimmte es natürlich auch. Doch nur sechs Tage später soll er mit einer Diebesbande losgezogen und aus einem Container Zigaretten im Wert von mehr als 80 000 Euro geklaut haben. Das jedenfalls behauptete ein Häftling und brachte damit den Berliner ProfiBoxer auf die Anklagebank.

Ganz in Schwarz kam der 27-jährige Trabant, verheiratet und Vater eines kleinen Sohnes, gestern ins Amtsgericht Tiergarten und schüttelte nur den Kopf. „Ich weiß gar nicht, was ich hier soll“, sagte der Ex-Europameister. „Wie ein Verbrecher bin ich behandelt worden“, spielte er auf die Hausdurchsuchung vor etwa einem Jahr an. „Ich habe noch nie in meinem Leben das Gesetz angekratzt“, erklärte Trabant. Er wirkte ruhig, aber bestimmt.

Der aus der Haft vorgeführte Schlosser Andreas R. (47) aber blieb bei seinen Behauptungen: „Herr Trabant war dabei.“ Der Richter hakte nach: „Könnte es sein, dass Sie ihn nur aus den Medien kennen?“ R. versicherte, er erkenne den Angeklagten „mit Sicherheit“ als einstigen Komplizen wieder. Sein Kumpel Eduard D. habe damals, als sie auf einem Rangierbahnhof südlich von Berlin einen Container mit Zigaretten ausgekundschaftet hatten, ein paar Kumpels angerufen. Einer davon sei Michel Trabant gewesen.

Angeblich kamen mit dem Boxer noch drei andere Männer als „Verstärkungstrupp“. An deren Namen konnte sich R. allerdings nicht erinnern. Außerdem sei es auch nicht üblich, „sich bei so einem Ding vorzustellen“. Sein Komplize D. habe ihm verraten, dass der Boxer mit von der Partie sei. An Blessuren im Gesicht des Boxers, der nur wenige Tage zuvor schmerzliche Treffer hatte einstecken müssen, konnte sich R. dagegen nicht erinnern. „Das war viel zu dunkel“, meinte der Zeuge. Ganz anders die Schilderungen des Mittäters D., ebenfalls aus dem Gefängnis vorgeführt. „Ick kenne Michel Trabant nur aus’m Fernsehen.“

Warum sollte der Kriminelle R. aber einen Schlag unter die Gürtellinie austeilen, wenn er Trabant gar nicht kennt? Der Profi-Boxer sprach von einer Aussage bei der Polizei, in der er in einem ganz anderen Zusammenhang einen Bekannten belastet hatte. War es möglicherweise eine Rache dieses Mannes? Michel Trabant weiß es nicht, für das Gericht ging es gestern lediglich um die Schuld des Boxers. Daran hatte der Richter am Ende „massive Zweifel“. Er sprach Trabant frei.

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