Berlin : Unter Spionageverdacht

Prozess gegen Mitarbeiter der algerischen Botschaft

Ein Büroangestellter der algerischen Botschaft soll seinen guten Draht zu einer Mitarbeiterin der brandenburgischen Ausländerbehörde genutzt haben, um für den Geheimdienst seines Landes zu spionieren. Den Ermittlungen zufolge ging es um Informationen über einen regimekritischen Ex-Major der algerischen Armee, der wegen politischer Verfolgung Asyl beantragt hatte und in Deutschland geduldet wird. Seit gestern muss sich der 45-jährige Botschaftsmitarbeiter vor dem Kammergericht verantworten.

Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft wurde der seit 17 Jahren in Berlin lebende Deutsch-Algerier im Auftrag eines Offiziers des algerischen Nachrichtendienstes DRS tätig. Er habe Informationen über den Ex-Major und weitere Landsleute gesammelt. Bei einem der Männer soll es sich um einen Algerier handeln, der zur islamistischen Szene in Bremen gezählt wird. Insgesamt geht es in dem Prozess um vier Fälle zwischen Ende 2005 und Mai 2006.

Freundlich, aufgeschlossen und redselig wirkte der Angeklagte zum Prozessbeginn. Er hatte die Fragen der Bundesanwaltschaft beantwortet und zeigte sich auch vor Gericht kooperativ. Die Vorwürfe gegen ihn wies er jedoch zurück. Er habe nicht gewusst, dass jener Offizier, den er als „Colonel“ bezeichnete, für den Geheimdienst arbeitet. Nach seinem Wissen sei er für die Sicherheit des Botschaftsgebäudes zuständig gewesen.

Dass er über die Ausländerbehörde die Adresse des Regimekritikers besorgte, gab der Angeklagte zu. Der Colonel sei „wie ein Hund“ hinter dem Ex-Major her gewesen und habe als Begründung angegeben, dass dessen Mutter in Algerien im Sterben liege. Es sei in solchen Fällen üblich, Landsleute ausfindig zu machen. Eine solche Aufgabe falle auch in seinen Aufgabenbereich, erklärte der Angeklagte. Er sei in der Botschaft dafür verantwortlich, Kontakt zu den Ausländerbehörden halten. Der Prozess wird am 10. Oktober fortgesetzt. K. G.

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