Berlin : Unter Sportsfreunden

Der Unternehmer Wolf-Dieter Wolf steht im Mittelpunkt der Affäre um das Adlershofer Tor. Das hielt den Regierenden Bürgermeister nicht davon ab, in Wolfs Team öffentlich Golf zu spielen

Ulrich Zawatka-Gerlach

Es gibt Leute in der Stadt, die kaum bekannt sind, aber in den eng gewebten Netzwerken von Politik und Wirtschaft eine wichtige Rolle spielen. Einer davon ist Wolf-Dieter Wolf. Ein Unternehmer, der mit seiner Firma Grundkonzept das bisher größte private Investitionsprojekt in Berlin-Adlershof auf die Beine gestellt hat. Das „Adlershofer Tor“, ein Geschäftszentrum. Die Areale für den Einzelhandel waren schnell vermietet, die 8438 Quadratmeter Büroflächen stehen bis heute weitgehend leer, doch die Entwicklungsgesellschaft BAAG, die im Auftrag des Landes Berlin tätig ist, übernahm per Generalmietvertrag das finanzielle Risiko. Allerdings zu Lasten des Landes.

Der Rechnungshof hatte die „fragwürdige und unangemessene Mietgarantie“ im Jahresbericht 2004 beanstandet, und die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Oktober des vergangenen Jahres unter anderem gegen Wolf: wegen des Verdachts der Bestechung. Es wurde eine Verbindung geknüpft zwischen dem lukrativen Geschäft in Adlershof und zwei Fundraising-Essen 2001 zugunsten des SPD-Spitzenkandidaten Klaus Wowereit, an dem Wolf teilnahm. Obwohl diese Ermittlungen nach Informationen des Tagesspiegel voraussichtlich eingestellt werden, ist die Nähe zwischen dem Grundkonzept-Chef und prominenten sozialdemokratischen Amtsträgern unübersehbar. So nahm an der Einweihung des „Adlershofer Tores“ am 27. September 2003 eine ganze Armada von SPD-Politikern teil: Der Regierungschef Wowereit als Festredner, der für diesen Termin sogar eine Bundesratssitzung sausen ließ. Außerdem SPD-Fraktionschef Michael Müller, Bezirksbürgermeister Klaus Ulbricht und Bildungssenator Klaus Böger. Auch mit Wowereit kann Wolf gut. Der sah auch kein Problem darin, zwei Monate nach Veröffentlichung des Rechnungshofberichts beim Golf-Turnier am Scharmützelsee im Grundkonzept-Team mitzuspielen. Präsident des austragenden „Sporting Club“: Wolf-Dieter Wolf.

Der Unternehmer hat ein Faible für den Sport. Er sitzt im Präsidium des Landessportbunds, führt den Berliner Basketball-Verband an und sponsert mit seiner Firma die Challenge-Tour der Golf spielenden Jungsenioren. Außerdem kümmert er sich um die Medienpolitik – als Verwaltungsratsmitglied des Rundfunks Berlin-Brandenburg – und um die Kultur. Sowohl im Förderkreis der Deutschen Oper als auch im Förderverein der Staatsoper. Und der Verein der Freunde und Förderer des Staatsballetts Berlin hat Wolf im Juli 2004 zum Vorsitzenden gewählt. Im unternehmerischen Bereich hatte sich Wolf bisher darauf beschränkt, als Projektentwickler aufzutreten. In Adlershof war er erstmals Bauherr.

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