Berlin : Unter vollen Segeln

Bei Olympia präsentiert Berlin sich sportlich – auf dem Dreimaster „Atlantis“

Ariane Bemmer

Der seefahrtbegeisterte Kaiser Wilhelm II. war es, der den Auftrag gab für das Schiff, das 1905 in Hamburg fertig wurde. Ein Schiff, dessen Seetüchtigkeit den höchsten Anforderungen genügte, dabei sollte es nur in der Elbmündung liegen, nördlich von Cuxhaven. Das Schiff war die Elbe 2, eins von fünf Feuerschiffen, die mit einem Licht oben am Mast den Weg nach Hamburg wiesen, damals, als es noch keine Bojen gab.

Fast 100 Jahre später soll das Schiff, das heute „Atlantis“ heißt, wieder einen Weg weisen. Diesmal nach Berlin. Umgebaut zum Luxuspassagiersegler ist die „Atlantis“ gerade von Sizilien nach Athen unterwegs, wo sie am 11. August im Hafen von Piräus anlegen wird. Als „Berlin Boat“ soll sie dort während der Olympischen Spiele Treffpunkt für Sportler, Funktionäre, Unternehmer und Politiker sein. Man will sich präsentieren als sportliche Stadt, im Blick die Leichtathletik-WM 2009.

Treffen, Partys sowie Ausfahrten sind geplant, und wenn das Wetter mitmacht, wird der 57 Meter lange Dreimaster dann Wind in 15 Segeln und 742 Quadratmetern Tuch haben. Ungefähr sieben Knoten (14 Stundenkilometer) fährt das Schiff. Nicht viel, aber: Auch in diesem Tempo hat die „Atlantis“ schon mehrfach den Atlantik gequert. Etwa 1986 von der Karibik nach Hamburg, eine höllische Fahrt. Der Sturm brach einen Mast und riss das Segel in Fetzen. Hohe Wellen krachten auf das Deck, 300 Eimer Wasser schaufelte die Crew von Kapitän Klaus Gröne aus den überfluteten Räumen. Zwei Tage und Nächte kamen sie nicht zur Ruhe, und dann endlich, als der Sturm nachließ, waren sie so weit ab vom Kurs, dass die Reise drei Tage länger dauerte. Oder gleich danach, als es zum 100. Geburtstag der Freiheitsstatue am 3. und 4. Juli 1986 nach New York gehen sollte. Nur 30 Tage Reisezeit waren kalkuliert, das erwies sich als zu knapp: Am 4. Juli waren sie noch vor Kanada. Zu spät zur Feier kommen? „Da hätten wir uns ja lächerlich gemacht“, sagt Klaus Gröne. „Wir sind stattdessen nach Halifax gesegelt.“ Da waren sie – weil alle anderen in New York waren – das einzige Schiff, und wurden so herzlich empfangen, dass die Gäste an Bord sich nicht lange über die geänderten Pläne geärgert haben.

Gröne, der vier Jahre Kapitän der „Atlantis“ war, hat das Schiff direkt nach dessen Umbau vom Feuerschiff zum Passagiersegler übernommen. Ein gemütliches Schiff, sagt er. Es wird von der Reederei Meyer zur Heyde (Laboe) inklusive Crew verchartert. Auf der „Atlantis“ kommandiert heute ein Kollege, Gröne steuert den zweiten Segler der Reederei, die „Mary Anne“. Beide fahren im Mittelmeer und im Winter vor den Kanaren.

Als „Berlin Boat“ wurde die „Atlantis“ von der Top Sportmarketing GmbH gechartert, die mit den Kontakten des Berliner Olympiastützpunkts das Projekt durch Sponsorengelder finanziert. Der Senat ist nur als Gast beteiligt: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit geht am 24. August an Bord, auch Sportsenator Klaus Böger wird erwartet. Dass Berlin der sportlichen Konkurrenzstadt Hamburg nun ausgerechnet auf deren ehemaligem Feuerschiff begegnet, ist übrigens ganz zufällig.

„Berlin Boat“ im Internet: www.topsportberlin.de/news.htm. Infos über die Fahrten der „Atlantis“: Tel. 04343/429920 oder www.segeltouristik.de

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