Berlin : Untergehende Pädagogen

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Für den Auftakt ihrer Proteste gegen die Sparpläne des Senats hatte sich die Gewerkschaft GEW einen ungewöhnlichen Ort ausgesucht: Rund 1000 Lehrer aus Reinickendorf standen nach Angaben der Veranstalter am Montag im Schwimmbad des Fontanehauses im Märkischen Viertel Spalier, während eine Gruppe von Personalräten demonstrativ und mit Protestschildern bewaffnet ins Wasser hüpfte. "Bildung geht baden" hieß das Motto. Damit wollen die Lehrer den "Wahlbetrug" anprangern, den die rot-gelb-grünen Koalitionsverhandler ihrer Ansicht nach vorhaben.

Finanzsenatorin Christiane Krajewski verteidigte die geplanten Kürzungen in Schulen und Kitas. In den kommenden fünf Jahren gebe es in Berlin 20 Prozent weniger Schüler, sagte sie im Deutschlandradio. Zwar habe sie Verständnis dafür, dass die von Kürzungen Betroffenen sich wehrten. "Wir sind aber in der Situation, dass wir das Geld einfach nicht haben."

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Berlin-Wahl 2001 Eine "Bildungskatastrophe" sieht die GEW vor allem auf die Berliner Kindertagesstätten zukommen. Sollten die möglichen Ampelkoalitionäre den Vorschlägen der SPD-Finanzpolitiker folgen, drohe städtischen Krippen und Kindergärten der Abbbau von 700 Stellen, heißt es in einer Erklärung der Gewerkschaft. In Horten für Schulkinder seien 400 Stellen gefährdet. Dieses "Gruselszenario" hätte zur Folge, dass die Gruppengrößen erhöht werden müssten: In Kindergärten durchschnittlich von 15 auf 16,3 Kinder, bei den Ganztagsplätzen um 4,5 auf 19,5 Kinder und in Horten von 20 auf 26 Kinder. Dies wäre nach Ansicht des stellvertretenden GEW-Vorsitzenden Dieter Haase "bildungspolitisch und pädagogisch untragbar": So drohe zum Beispiel die jetzt schon Besorgnis erregende Sprachkompetenz von Kindern ausländischer Herkunft künftig noch schlechter zu werden, warnte er.

Um gegen die Kürzungen zu demonstrieren, ruft die GEW für den 6. Dezember Erzieherinnen, Eltern und Kinder zu einer Protestaktion vor dem Roten Rathaus auf. Weitere Demonstrationen von Lehrern sind für den 21. und 29. November in Kreuzberg und Charlottenburg sowie für den 12.12. erneut vor dem Roten Rathaus geplant. Damit, so Gewerkschafter Haase kämpferisch, sollen die Politiker bei den Koalitionsverhandlungen an den elfwöchigen Kitastreik von 1989/90 erinnert werden.

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