Berlin : Unterirdisch gut

Seit zehn Jahren betreiben Lars Döring und Pamela Schobeß das Icon. Nun feiert der Club Jubiläum

Nana Heymann

Man riecht ihn noch, den Kellerdunst, ganz leicht nur, aber er ist da. Mit jedem Schritt, den man die steinerne Treppe zu den ausgebauten unterirdischen Anlagen des Icon-Clubs hinuntersteigt, nähert man sich dem warm-herben Geruch. Das Odeur, das normale Menschen mit dem wenig netten Wort Mief bezeichnen, ist für viele Nachtschwärmer das Größte, denn hier, in den Gewölben der ehemaligen Groterjahnbrauerei, erinnert vieles an die Anfangszeit der Berliner Clubs.

Von der sterilen Eleganz der neuen, teuer ausgebauten Partyorte wollen sich Pamela Schobeß und Lars Döring, beide 32, bewusst distanzieren. Seit zehn Jahren betreiben sie das Icon in der Cantianstraße 15 in Prenzlauer Berg. An diesem Wochenende feiern sie das Jubiläum mit vielen internationalen Künstlern und langjährigen Weggefährten. Mit dabei sind etwa das britische Breakbeat-Duo Shut Up and Dance, die Trip–Hopper Nightmares on Wax oder das Berliner Nu-Jazz-Kollektiv Jazzanova.

Dass der Club immer noch einer der angesagtesten Treffpunkte für Freunde von Drum’n’Bass, Reggae oder HipHop ist, liegt nicht zuletzt am spröden Charme des backsteinernen Kellergewölbes. „Wir wollen halt nicht schick und gerade sein“, sagt Lars Döring. Das übliche „Sehen und Gesehenwerden“ sei nicht sein Ding. Vielmehr geht es ihm um die Musik. Einmal die Woche, immer dienstags, steht er mit seinem DJ-Team Phonomat selbst an den Plattenspielern.

Überhaupt ist das Auflegen der eigentliche Grund, warum der gebürtige Berliner zum Clubbetreiber geworden ist. Anfang der 90er Jahre war der schlaksige Mann mit den langen Haaren auf der Suche nach einem Ort, wo er als DJ seine Hip-Hop-Platten auflegen konnte. Den fand er schließlich im Keller des Kunstvereins Acud an der Veteranenstraße in Mitte. Die Betreiber waren von dem Enthusiasmus des jungen Plattenmixers so angetan, dass sie ihm anboten, den Keller des Hauses als Club zu betreiben. Mit 20 stieg dort Döring zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kunstvereins auf. „Das war eine komische Erfahrung, denn plötzlich bewarben sich bei mir Menschen um Jobs, die viel älter waren als ich.“

Das Acud wurde ihm bald zu klein – deshalb der Neuanfang mit dem Icon. Bei dem half Pamela Schobeß. Die zwei lernten sich zufällig kennen, eines nachts an einer Ampel in Prenzlauer Berg. Aus der privaten Beziehung wurde auch eine geschäftliche. „Wir sind superunterschiedlich, aber ergänzen uns sehr gut“, sagt Pamela Schobeß, die vor 13 Jahren aus Hessen nach Berlin kam. Während er Künstler wie Paul van Dyk oder die britische DJ-Ikone Grooverider engagiert, übernimmt die gelernte Bankkauffrau die Buchhaltung und Organisation. Mitunter sei die Zusammenarbeit schwierig, weil sich die zwei wegen Meinungsverschiedenheiten manchmal in die Haare kriegen. „Dafür wird es aber nie langweilig“, sagt Schobeß.

Freitag und Sonnabend ab 23.30 Uhr

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