Berlin : Unterkühlte Stimmung im Sektionssaal

Die Rechtsmedizin wird in Moabit konzentriert und bekommt einen neuen Chef. Personal wird abgebaut

Ingo Bach

Zum Jahreswechsel knallt es noch mal richtig am Charité-Institut für Rechtsmedizin: Ein neuer Chef kommt und der alte fühlt sich vorzeitig kaltgestellt. Das Institut muss von Dahlem auf das Gelände des ehemaligen Krankenhauses Moabit umziehen, wo die Studenten in unfertigen Räumen lernen müssen. Und schließlich muss der neue Direktor einen drastischen Personalabbau umsetzen.

Keine Frage, der Einstieg für Michael Tsokos, ab dem 1. Januar neuer Direktor des Charité-Instituts für Rechtsmedizin und des entsprechenden Landesinstitutes, hätte leichter sein können. Drei Tage vor der Amtsübergabe polterte Tsokos’ Vorgänger Volkmar Schneider über die „absolute Stillosigkeit“, die Schlösser am alten Institutsstandort in Dahlem auszutauschen, ohne ihn zu informieren (wir berichteten). Zuvor hatte der streitbare Chef immer wieder vor einer Arbeitsüberlastung im Charité-Institut gewarnt, wo jährlich rund 500 Leichen obduziert werden. Im Landesinstitut sind es 1500.

Nun muss sein Nachfolger Tsokos mit weniger Mitarbeitern klarkommen: 16 statt jetzt 40. „Den freigestellten Beschäftigten werden wir einen Ausweicharbeitsplatz anbieten“, sagt der Dekan des Universitätsklinikums Martin Paul. Betriebsbedingte Kündigungen sind laut Tarifvertrag bis 2012 ausgeschlossen. Allerdings können die Mitarbeiter nach Belieben in der Charité versetzt werden und müssen auch Gehaltseinbußen akzeptieren. Die Stimmung ist entsprechend mies.

Damit nicht genug: Kurz vor dem Jahreswechsel hat Helmut Maxeiner, einer der beliebtesten Dozenten der Charité, seine Funktion als Lehrbeauftragter des Institutes niedergelegt. Unter anderem deshalb, weil er sich bei der Planung der Lehre am neuen Standort übergangen fühlte. Verzichten will auf ihn aber keiner: „Er ist Professor und hat zumindest sein Lehrdeputat zu erfüllen“, sagt Dekan Paul. Auch Tsokos will Maxeiner halten: „Er hat das Konzept für eine umfassende und gute Ausbildung der Studenten bei der Leichenschau hier entwickelt; er sollte weitermachen.“ Dazu sei er auch bereit, sagt Maxeiner. Er sei sich aber nicht sicher, ob die Charité ihn noch wolle.

Die neuen Räume in Moabit sind auch noch nicht vollständig bereit. „Der Ausbau des Hörsaales und der Seminarräume wird im Sommer 2007 abgeschlossen – wahrscheinlich“, hofft Tsokos. Trotzdem habe er dort den Lehrbeginn ab 2. Januar angeordnet, obwohl das Semester in knapp fünf Wochen endet: „Ich will ein Zeichen setzen, dass die Rechtsmedizin einen neuen Standort hat.“

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