Berlin : Unterlagen ab heute im Umweltamt Köpenik einzusehen

Steffi Bey

Annelies Schmidt wird in den nächsten fünf Wochen noch ein paar Mal das Köpenicker Umweltamt aufsuchen. Das weiß die 68-jährige Frau aus der Schmöckwitzer Waldsiedlung seit gestern ganz genau. "An einem Tag die ganzen Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren durchzuarbeiten - das schafft doch keiner", sagte sie. Weil sie sich aber einen genauen Überblick über die Auswirkungen des geplanten Großflughafens Schönefeld verschaffen möchte, kommt sie wieder.

Mit einem Block und einem Stift wird sie sich dann wieder an einen der vier Tische setzen und von den Mitarbeitern einen Ordner bringen lassen. Einen von insgesamt 49 dicken, weißen Plastikmappen, die die Flughafen Berlin Schönefeld GmbH hat anfertigen lassen. Und dann macht sich die Köpenickerin Notizen, so wie gestern, am ersten Auslegungstag: Über die prognostizierten Flugbewegungen sowie die Lärm- und Schadstoffbelastung, mit denen in ein paar Jahren zu rechnen ist.

Während sie die Zahlen auf ihr Papier schreibt, wird sie immer wütender. "Mit 1500 Flügen muss ich nach dem Ausbau täglich rechnen", sagt sie zu einem Mann, der ebenfalls die Unterlagen anschaut. Allein 90 Flugzeuge fliegen davon nachts über das Schmöckwitzer Siedlungsgebiet. "Von Lebensqualität ist dann dort nichts mehr zu spüren", erklärt die agile Rentnerin. Sie könne im Sommer nicht mehr ihren Garten nutzen, und auch in ihr Holzhaus werde der Lärm dringen.

Aus ihrer Sicht gibt es deshalb nur zwei Möglichkeiten: Entweder wird der Großflughafen verhindert, oder es muss eine Umsiedlung erfolgen. Weil ihr selbst allerdings die erste Variante realistischer erscheint, sammelt sie jetzt Argumente, um bis spätestens 29.Juni einen Einwand gegen das Flughafenprojekt zu formulieren.

Der befürchtete Andrang blieb gestern im Köpenicker Umweltamt allerdings aus. In den Vormittagsstunden suchten gerade zehn Interessierte die Auslegungsstelle auf. Mitarbeiter Eckhard Bock vermutet, dass sich das in den kommenden Tagen ändert: "Wenn die Experten der Bürgervereine die Unterlagen gesichtet haben, werden sie die Leute schon mobilisieren". In den Auslegungsstellen erhalten die Betroffenen keine fachliche Beratung. "Wir geben formale Hinweise, wie die Einwendungen zu gestalten sind, nennen auch Ansprechpartner und teilen Adressen von Behörden mit", erklärt Mitarbeiterin Gerlinde Minow.

Im Übrigen kann jeder, der sich durch den Flughafenausbau betroffen fühlt, die Dokumente bis zum 15. Juni einsehen und seine Einwände erheben. Die Einwendungsmöglichkeiten reichen von sinkenden Grundstückspreisen über Lärm und Schadstoffbelastung bis zu schlechten Freizeitmöglichkeiten.

"Nur wer eine Einwendung gemacht hat, kann auch später klagen", betonte Eckard Bock vom Umweltamt. Auch das Bezirksamt Köpenick will im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens Einwendungen geltend machen. Eine Arbeitsgruppe stellt gerade ein Papier zusammen.

So sollen unter anderem Lärmschutzmaßnahmen für kommunale Institutionen gefordert werden. "Außerdem werden wir Kosten verlangen, die uns aus der Nichtrealisierung von Bebauungsplänen entstehen", erklärte Bock. Schließlich könnten zudem durch die Flughafenplanungen einige bezirkliche Vorhaben nicht realisiert werden.

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