Berlin : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über Moskauer Weisungen und Potsdamer Vorschläge

Thorsten Metzner

Matthias Platzeck ist gerade aus Moskau zurückgekehrt, wo er brandenburgischen Firmen half, Aufträge zu akquirieren. Wie man hört, soll der Regierungschef erstaunlich trinkfest geblieben sein und die diversen Wodka-Trinksprüche, die nach den dortigen Gebräuchen bei Verhandlungen obligatorisch sind, gut überstanden haben. Am meisten beeindruckte den Reisenden aber der Flughafen Moskau-Wnukowo, der 30 Kilometer südlich der Metropole gerade zum internationalen Drehkreuz ausgebaut wird. Nicht nur, dass der lukrative Airport zum Großteil der Moskauer Regierung von Oberbürgermeister Juri Luschkow gehört, die sich sogar eine eigene Luftflotte leistet. Vor allem Luschkows Befehlsgewalt konnte den Reisenden aus der Provinz neidisch stimmen. Auf der Airport-Baustelle erklärte man Platzeck folgendes: „Der Oberbürgermeister hat kürzlich den Flughafen besichtigt und die Anweisung gegeben, schon im Jahr 2008 fertig zu werden.“ Platzeck überlegt nun, ob er demnächst auch noch einmal die BBI-Baustelle in Schönefeld besucht.

Es gibt Fälle von politischen Langzeitzündungen: Seit 16 Jahren haust, pardon, residiert Brandenburgs Landtag in der maroden früheren SED-Bezirksleitung auf dem Potsdamer Brauhausberg, die der Volksmund „Kreml“ getauft hat. An dem Turm des wie eine Trutzburg aussehenden Gebäudes sind immer noch die verblichenen Umrisse des SED-Emblems zu sehen. Jetzt überraschte Roswitha Scheir, die parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Fraktion, mit der Idee, an dieser Stelle den Brandenburger Wappen-Adler anzubringen, und zwar „witterungsfest“. Komisch, dass vorher niemand darauf gekommen ist. Die Reaktionen sind trotzdem verhalten: So überdeckt neuerdings eine Fahne am Turm die SED-Überreste. Die Landtagsverwaltung weist aufkommende Vermutungen, sie wolle die CDU-Idee torpedieren, zwar zurück. Es sei nur Werbung für den „Tag der offenen Tür“ am 1. September. Doch SPD-Fraktionschef Günter Baaske erinnert daran, dass das Parlament ohnehin in den neuen Landtag am Alten Markt umziehen will, der dort bis 2011 gebaut werden soll. An den Turm des „Kreml“ sollte deshalb kein Wappen-Adler, sagt Baaske, sondern ein Schild „For Sale“ – zu verkaufen.

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