Berlin : UNTERM ADLER

Michael Mara

über frohe Schlossherren und frustrierte Genossen Wie sein Vorgänger Manfred Stolpe hat auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ein Faible für märkische Schlösser. Dem Ziel, mit diesen Perlen stärker für das Land zu werben, ist er in der zurückliegenden Woche wieder ein großes Stück näher gerückt: Die Bundesregierung kam am Sonnabend zum zweiten Mal zur Klausur auf Schloss Neuhardenberg zusammen, das König Friedrich Wilhelm III. seinem Reformer Karl August Fürst von Hardenberg schenkte. Platzeck geht nun natürlich davon aus, dass Kabinetts- und Reformrunden dort zur Tradition werden.

Am Montag wird er mit Kanzler Gerhard Schröder im Hubschrauber nach Meseberg fliegen: Dort baut die Messerschmitt-Stiftung auf eigene Kosten das Schloss zum Gästehaus der Bundesregierung aus, die nur die Betriebskosten übernehmen muss. Platzeck hatte den Kanzler vor zwei Jahren bei einem Glas Rotwein für den Plan gewonnen. Nun ist der Rohbau fertig, deshalb findet ein Volksfest statt. „Damit haben wir schon zwei „Regierungsschlösser", freut sich Platzeck.

In der PDS hatte sie es wirklich nicht leicht: Esther Schröder, deren Berufung zur Senatsrätin in Berlin wegen eines spektakulären Streits um ihre Verbeamtung schließlich wieder zurückgenommen wurde, war den Sozialisten zu unbequem. Jetzt hat die 35-Jährige mit der SPD, für die sie in der Lausitz um ein Landtags-Direktmandat kämpft, auch so ihre Schwierigkeiten: Sie will einen harten Wahlkampf gegen den aufstrebenden jungen CDU-Konkurrenten Ingo Senftleben führen. Aber die heimische SPD-Basis sei nicht sonderlich kämpferisch, klagte sie unlängst im kleinen Kreis. Kaum jemand habe Lust, auf der Straße mit einem Stand für die SPD zu werben. Manche wollten lieber nicht mit SPD-Logo auf dem T-Shirt auf die Straße gehen. Aus lauter Furcht, wegen der Reformen eine Abfuhr zu bekommen, so Schröder. Dabei stelle sie auf eigenen Veranstaltungen fest, dass es in der Bevölkerung durchaus Verständnis für die rot-grünen Reformen gebe. Die Basis müsse sich nur mehr zutrauen, versucht Schröder ihren Genossen Mut zu machen.

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