Berlin : UNTERM ADLER

Michael Mara

über Abwerbungen, Anklagen, Angebote Dass die Fusion von Berlin und Brandenburg in weite Ferne gerückt ist, merkt man auch an Kleinigkeiten. Zum Beispiel als vor kurzem der Berliner Bauunternehmer Süleyman Yüksel im neuen Potsdamer Theater, das er gerade im Rohbau fertig gestellt hat, sein zehnjähriges Firmenjubiläum feierte. Die Stimmung war ausgesprochen gut, da wollten Regierungschef Matthias Platzeck und Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) die günstige Gelegenheit nutzen. Sie schwärmten von Potsdam und setzten ihren ganzen Charme, ihre ganze Überredungskunst ein, um den türkischen Unternehmer zu überzeugen: „Verlegen Sie doch Ihren Firmensitz nach Potsdam.“ Doch Yüksel hielt sich auffallend zurück, ging weder auf die Avancen des Regierungschefs noch auf die des Stadtoberhauptes ein. Obwohl er von Potsdam begeistert sei. „Er schwieg diplomatisch“, schilderte Jakobs hinterher. Er erklärte es später so: „Was wir nicht wussten, am Tisch saß ein hochrangiger Vertreter der Berliner Industrie- und Handelskammer.“ Yüksel habe natürlich Interesse, Aufträge in beiden Ländern zu bekommen.

Meist scheuen sich Politiker und Landesbedienstete, der Öffentlichkeit Einblicke in ihre Privatsphäre zu gewähren. Warum, weiß keiner so genau. Eine Ausnahme ist Florian Engels, der Sprecher von Sozial– und Arbeitsminister Günter Baaske, der seinen Ministersessel am Dienstag mit dem des SPD-Fraktionschefs im Landtag tauschen wird. Engels will er dorthin als neuen Fraktionssprecher mitnehmen. Die Zeitschrift „Schöner Wohnen“ veröffentlichte jetzt eine siebenseitige „Home-Story“ über die Familie „Engels von Hochberg“, die in der Potsdamer Jägerstraße ein über 260 Jahre altes Barockhaus saniert und eingerichtet hat. „Wohnfläche 235 Quadratmeter, Umbauzeit zwei Jahre, Umbaukosten 380 000 Euro“, berichtete „Schöner Wohnen“. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, urteilten Engels Kollegen anerkennend. Allerdings stammt nicht alles, was auf den Hochglanzfotos zu sehen ist, aus dem Besitz der jungen Familie. „Schöner Wohnen“ hatte sich für die Fotos einige Möbel und Accessoires bei Einrichtungsgeschäften ausgeborgt. Damit die Bilder besser wirken.

Uwe Fenner, der frühere Potsdamer Unternehmer und Salongastgeber, wundert sich über die Potsdamer Staatsanwaltschaft. Sie hatte ihn wegen angeblichen Subventionsbetruges angeklagt, doch vom Potsdamer Amtsgericht wurde Fenner freigesprochen. Inzwischen ging die Staatsanwaltschaft nicht nur in Berufung. Der zuständige Staatsanwalt Kolb, der vor Gericht wenig überzeugend wirkte, zeigte Uwe Fenner auch noch wegen Verleumdung an, weil der eloquente Unternehmer ihn im Gerichtssaal attackiert hatte. Der inzwischen in Frankfurt am Main lebende Fenner erhielt deshalb eine offizielle Vorladung ins dortige Polizeipräsidium, der er jedoch nicht folgte. „Ich möchte nicht aussagen und dies zum Schauprozess in Potsdam machen“, gab Fenner als Begründung an - mit Blick auf die anstehende Berufungsverhandlung. Moralischen Beistand hatte Fenner nach seinem Freispruch von Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) bekommen. Der gratulierte ihm handschriftlich und konstatierte: „Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft ist leider kein Ruhmesblatt für Brandenburg.“

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