Berlin : UNTERM ADLER

Michael Mara

liest sorgfältig abgestimmte Briefe über ein sensibles Thema, erwartet demnächst Kalifornier im „Tropical Islands“ und beleuchtet einen Konflikt ums rechte Licht im Lichthof Es ist schwer zu erklären, was eigentlich kaum zu erklären ist: Wahrscheinlich dauerte es deshalb so lange, bis die ersten Antwortschreiben von Bildungsminister Holger Rupprecht an all jene abgeschickt wurden, die gegen die Tilgung des Völkermordes an den Armeniern aus dem Brandenburger Geschichtslehrplan protestiert hatten. Die Tilgung wurde zwar bereits am 8. Februar korrigiert. Doch dauerte es Wochen, bis jetzt die Antworten herausgingen. Der Grund: Die Entwürfe gingen zwischen Bildungsministerium und Staatskanzlei hin und her, jeder Satz, jedes Wort wurden abgewogen. Nun versichert Rupprecht auf anderthalb Seiten, „die sensible Thematik in brandenburgischen Geschichts-Rahmenlehrplänen angemessen zu behandeln“. Spannend ist noch, ob Ministerpräsident Matthias Platzeck und sein Bildungsminister im April am Gedenkakt im Berliner Dom anlässlich des 90. Jahrestages des Völkermordes teilnehmen – eingeladen würden sie, sagen die Armenier.

Mancher Landtagsabgeordnete fürchtet, dass das „Tropenparadies“ in der früheren Cargo-Lifter-Halle in Brand die nächste Großpleite im Land wird. Doch ausgerechnet in den USA scheint man das optimistischer zu sehen. CDU-Generalsekretär Sven Petke, der mit seiner Familie Urlaub auf Hawaii machte, brachte jetzt einen bemerkenswerten Zeitungsausschnitt mit in seine Fraktion: Eine große Reportage der „Los Angeles Times“ über die ungewöhnliche Tropenlandschaft in der Luftschiffhalle, in die die Deutschen vor der Winter-Depression flüchteten. Auf der Titel-Seite des US-Blattes wurde mit Farbfoto auf den ganzseitigen Beitrag hingewiesen, der des Lobes voll über das Hallen-Experiment ist. Vor dem Hintergrund der Skepsis im eigenen Land sei es für ihn „ein positives Zeichen, dass das Tropenparadies in den USA mit solcher Aufmerksamkeit wahrgenommen wird“, so Petke. Was er sich wünsche, sei „mehr Geduld mit solchen Projekten“.

Es fiel auf: Der „Retter des Lichthofes“ im historischen Potsdamer Karstadt-Kaufhaus fehlte beim großen Eröffnungsempfang am Mittwochabend: Stadtkonservator Andreas Kalesse, der vor einigen Jahren sein Veto gegen einen Abriss des schönen Jugendstil-Denkmals eingelegt hatte. Dafür, dass der gestrenge Konservator den Empfang boykottierte, hatten anwesende Mitarbeiter der Stadtverwaltung folgende einleuchtende Erklärung: Kalesses Behörde habe die Bauabnahme des Millionenprojektes fast noch platzen lassen, weil ihr eine modernistische Beleuchtungssäule inmitten des Lichthofs gehörig missfiel. Erst eine Intervention von Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) verhinderte einen Eklat – und sicherte die pünktliche Eröffnung des Kaufhauses am Donnerstag. „Für Geschmacksfragen ist die Denkmalpflege nicht zuständig“, entschied Stadtchef Jakobs resolut. „Das Ding bleibt hängen.“

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