Berlin : UNTERM ADLER

Michael Mara

Brandenburgs in der Opposition ermüdete PDS befindet sich auf Talfahrt. Nicht nur, dass sie in der Wählergunst generell abgestürzt ist, die Brandenburger billigen ihr auch in den wichtigsten Politikfeldern eine immer geringere Kompetenz zu. Trotzdem hat die Brandenburger PDS die dringend notwendige Debatte über die Ursachen ihrer Profillosigkeit und die Konsequenzen daraus erst einmal verschoben. Sie wendet sich lieber den Problemen Ostasiens zu: So reiste die Abgeordnete Gerrit Große jüngst mit Vertretern des Bundesvorstandes nach China, wo sie nach eigener Aussage „fast geblieben wäre“. Und letzte Woche befasste sich die Fraktion mit der Agrarpolitik Japans und Koreas. Lang und breit wurde der Reisanbau in Japan und Korea vorgestellt, inklusiver detaillierter Anbau-, Export- und Produktionszahlen. Ironischer Kommentar eines leicht genervten PDS-Abgeordneten: „Das hilft uns bestimmt bei der Lösung unserer Probleme.“

Ministerpräsident und SPD-Landeschef Matthias Platzeck bleibt bei seinem Kurs, den Fraktionsvorsitzenden Günter Baaske zum zweiten Mann in Brandenburgs SPD aufzubauen. Auf Vorschlag Platzecks ist Baaske letzte Woche als Beisitzer ins Forum Ost der SPD gewählt worden. Und auf dem Landesparteitag in 14 Tagen soll Baaske auf Platzecks ausdrücklichen Wunsch zu seinem Stellvertreter gewählt werden, was in Teilen der Partei nicht unumstritten ist. Manchen Genossen gefällt nicht, wie Platzeck den Landrat von Teltow-Fläming und bisherigen Stellvertreter Peer Giesecke abserviert, der seinen Platz nach nur zwei Jahren für Baaske räumen muss. Weitere Vorbehalte gibt es, weil künftig Landespolitiker aus dem Umfeld Platzecks den geschäftsführenden Landesvorstand dominieren werden. Intern heißt es in der Partei, dass Baaske durch die Wahl zum Beisitzer des Forums Ost „zusätzlich aufgewertet“ worden sei – rechtzeitig vor dem Parteitag.

CDU-Generalsekretär Sven Petke gilt als jemand, der gern provoziert und den Mund eher voll nimmt. Aber als er letzte Woche mit Potsdamer Jugendlichen in Polen war, zeigte er sich von einer ungewohnt zurückhaltenden Seite. Um das WM-Spiel Deutschland – Polen nicht zu verpassen, hatte sich Petke in einen Biergarten in Krakau zwischen 200 Fahnen schwenkende und ihre Mannschaft lautstark anfeuernde Polen gesetzt. Allerdings hatte ihm ein polnischer Begleiter empfohlen, sich besser zurückzuhalten. Und so verzichtete Petke auch auf „Deutschland, Deutschland!“-Rufe. Trotzdem erkannten die Polen schnell, für wen sein Herz schlug, weil er der Ballack-Elf ein paarmal applaudierte: „Da gingen bei mir die Emotionen durch.“ Als die Deutschen dann in der allerletzten Minute das Tor schossen und bei den Polen plötzlich eine ungemütliche Grabesstimmung herrschte, war es Petke nicht mehr geheuer: Er eilte schleunigst und stumm ins sichere Hotel zurück.

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