Berlin : UNTERM ADLER

Michael Mara

Mit dem Protokoll kann es manchmal problematisch sein. Zum Beispiel, wenn nicht nur der Ehemann, sondern auch die Ehefrau in der Politik ein hohes Amt ausübt – wie es bei CDU-Generalsekretär Sven Petke und seiner Gattin Katherina Reiche der Fall ist. Bei einem Forum der märkischen Union mit Bundestagspräsident Norbert Lammert zum Thema Leitkultur hielt sich Petke als Gastgeber exakt ans Protokoll, auch wenn das viele Anwesende komisch fanden: Denn Petke begrüßte neben Lammert auch den zweiten Gast aus der Bundespolitik, die „sehr geehrte Vize-Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion Katherina Reiche“ – seine hochschwangere Frau, die in der ersten Reihe saß und wie ihr Mann keine Miene verzog. In dreieinhalb Wochen sei es soweit, verriet sie später, dann werde ihr drittes Kind geboren.

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Bei der Haushaltsklausur des Kabinetts letzten Dienstag habe es weder Gewinner noch Verlierer gegeben, behauptete Finanzminister Rainer Speer (SPD). Ein Minister war allerdings ziemlich unglücklich: Sportminister Holger Rupprecht (SPD). Er hatte Karten für das Spiel Deutschland gegen Ekuador erworben – ohne an die Kabinettsklausur zu denken. Die wurde zwar rechtzeitig vor dem Anpfiff beendet, aber Rupprecht hätte es nicht mehr bis zum Olympiastadion geschafft. Deshalb verschenkte er die Karten vor der Kabinettssitzung an einen Mitarbeiter. Ein Trost bleibt dem Sportminister: „Ich bin wenigstens beim Endspiel dabei.“ Das Fußballfieber hat auch Finanzminister Rainer Speer (SPD) erfasst, der mit einer Deutschlandfahne am Dienstwagen herumfährt.

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Manchmal erkennt sogar die rechtsextreme DVU Grenzen. Während der letzten Landtagssitzung zog die Mini-Fraktion kurzfristig einen Antrag zurück, der den Medien „Sensationshascherei“ bei der Berichterstattung über mutmaßlich fremdenfeindlich motivierte Gewalttaten vorwarf und Brandenburger Politiker rügte, „diese Art von Berichterstattung“ zu fördern. Die Landesregierung sollte prüfen, ob und wie Inhaber öffentlicher Ämter für Schäden haftbar zu machen seien, die sie durch „verleumderische Äußerungen“ anrichten. Die inzwischen nachgereichte Erklärung für den Rückzug: Die schweren Gewalttaten vom letzten Wochenende in der Region ließen befürchten, „dass unser Antrag zu spät kommt“. Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) war jedenfalls zufrieden: „Eine kluge Entscheidung.“

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