Berlin : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Es kann kaum ein Zufall sein. Fast jeder Brandenburger SPD-Spitzenpolitiker lenkt einen Sportverein. Fraktionschef Günter Baaske ist Präsident der Fußballerinnen von Turbine Potsdam, Bildungsminister Holger Rupprecht des Handballvereins VfL Potsdam, Agrarminister Dietmar Woidke des Bahnradsportverbandes, der Bundestagsabgeordnete Steffen Reiche des Leichtathletikverbandes. Finanzminister Rainer Speer ist gleich zweimal Präsident – des Fußballvereins SV Babelsberg 03 und des Olympischen Sportclubs Potsdam OSC. Die jüngsten Fälle: Regierungssprecher Thomas Braune will dem Ringerclub Germania Potsdam, Staatskanzleichef Clemens Appel dem Tennisclub Rot-Weiss und der SPD-Abgeordnete Christoph Schulze dem Landesfußballverband vorstehen. Zwar bestreitet Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) entschieden, dass es eine entsprechende Anweisung gebe. „Aber ich finde das alles sehr in Ordnung. Als Vereinspräsidenten haben sie schließlich alle direkt ein Ohr an Problemen.“

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Kein Sport-Präsident, aber auch ein sportlicher Typ ist Landtagspräsident Gunter Fritsch, der dieser Tage seinen 64. Geburtstag feierte. Er sei, so hieß es in der Glückwunschkarte seines Büros, „fit wie ein Turnschuh“. Bekannt ist, dass Fritsch gern im Hochgebirge wandert. Jetzt aber bekam der Präsident verdächtig glänzende Augen, als er im Fernsehen mit Kennerblick eine Extremleistung verfolgte: Da seilten sich Feuerwehrleute bei einer Übung vom Berliner Fernsehturm ab. In seiner Jugend sei er aktiver Bergsteiger gewesen und gern in der Sächsischen Schweiz herumgeklettert, erzählt Fritsch, der auch Erfahrungen mit imposanten Gebäuden hat. „In den 70er Jahren haben wir uns einmal von der Gertraudkirche in Frankfurt an der Oder abgeseilt.“ Ja, so etwas könnte Fritsch durchaus wieder mal reizen: „Ich würde mich überall abseilen, allerdings nur, um es jungen Bergsteigern in der Ausbildung vorzuführen oder für einen anderen guten Zweck“. Vielleicht wäre ja der hohe Turm des alten Landtagsgebäudes auf dem Brauhausberg, der „Kreml“, ein geeignetes Objekt?

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