Berlin : Unterm Rasen ruht der Palast

Berliner gewinnen Wettbewerb für die Schloßplatz-Gestaltung. Abrissende erst im Frühjahr 2008

Bernhard Schulz

Eine weite Rasenfläche, gegliedert durch rhythmisch angeordnete Stege aus Lärchenholz, soll künftig den Schloßplatz zieren. So beschloss es die Jury im Wettbewerb „Temporäre Freiraumgestaltung Schlossareal“, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgelobt hatte. Die Stege verlaufen, leicht gegenüber dem Rasen erhöht, parallel zu den beiden Spreearmen. Unter dem Gras verschwinden die Spuren der bisherigen „Palast“-Bebauung wie auch die mittlerweile ausgegrabenen Fundamente des 1950 gesprengten Hohenzollern-Schlosses.

Doch am Schloßplatz dauert grundsätzlich alles länger als geplant. Auch die Zwischennutzung bis zum Baustart des Humboldt-Forums verschiebt sich, da die neuen Asbestfunde im bislang zu einem Viertel rückgebauten ehemaligen „Palast der Republik“ das vorgesehene Abrissende wohl um ein ganzes Jahr bis ins Frühjahr 2008 vertagen werden.

Gleichwohl hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aufs Tempo gedrückt. Der Wettbewerb war erst im Mai europaweit ausgeschrieben worden. Mehr als 80 Landschaftsarchitekten hatten sich beteiligt, von deren Entwürfen nach einer ersten Sichtungsrunde 25 in die engere Wahl genommen wurden. Die Jury befand in ihrer Schlussrunde am vergangenen Freitag über 21 Entwürfe, unter denen derjenige des Berliner Büros Relais Landschaftsarchitekten / Gero Heck und Marianne Mommsen als Sieger gekürt wurde.

Die Preisträger folgen der Vorgabe von Bund und Land, für die Zwischennutzung eine Lösung ohne größere Eingriffe, vor allen Dingen ohne Rückbezug auf die Palastbebauung wie auch ohne Vorgriff auf das künftige Humboldt–Forum zu finden. Für das Vorhaben werden 2,1 Millionen Euro veranschlagt. Das Land Berlin beteiligt sich mit 750 000 Euro, den überwiegenden Beitrag leistet der Bund.

Auch der zweitplatzierte Beitrag kommt aus Berlin. Die Gruppe Urban Catalyst verzichtet auf die Anlage einer „einfachen, schönen, sachdienlichen Grünfläche“, wie die Senatsverwaltung die Wettbewerbsaufgabe interpretiert hatte. Stattdessen möchte die Architektengruppe 125 jeweils 20 Meter hohe Lichtmasten über den unterschiedlichen Grundmauerresten von Schloss und Palast leuchten lassen, um den aus beiden Blickrichtungen, von Unter den Linden wie vom Marx-Engels-Forum her, fehlenden baulichen Abschluss optisch zu ersetzen.

In den vergangenen Monaten hatten sich zahlreiche Architekten und Künstler mit eigenen Vorschlägen zu Wort gemeldet. Auch verschiedene Medien veranstalteten Ideenwettbewerbe, die in der Regel auf eine aktive Nutzung des Geländes zielten. Unterstützung in der Kulturszene fand der Vorschlag einer temporären Kunsthalle. Klaus-Dieter Lehmann ließ Sympathien für diese Anregung erkennen, mahnte jedoch an, den Weg zum künftigen Humboldt-Forum aufzuzeigen. Den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, des Hauptbetreibers des vom Bund befürworteten Humboldt-Forums, drückt die immer länger werdende Zeitspanne bis zu dessen möglicher Realisierung. Schließlich müssen die Museumsbauten in Dahlem, in dem die fürs Humboldt-Forum vorgesehenen Sammlungen außereuropäischer Kulturen gezeigt werden, dringend renoviert werden.

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