Unternehmen am BER : Händler in Existenznot

Sie wollten vom Wirtschaftsmotor BER profitieren, doch die neue Verschiebung des Eröffnungstermins bringt viele Firmen in Schwierigkeiten. Die Unternehmer stellen sich die Frage: Aussteigen oder weiter durchhalten?

von
Ausgebremst. Geschäftsleute wie Bruno Pellegrini und Béatrice Posch haben statt der erhofften Einnahmen bislang nur Kosten.
Ausgebremst. Geschäftsleute wie Bruno Pellegrini und Béatrice Posch haben statt der erhofften Einnahmen bislang nur Kosten.Foto: dpa

Nachdem Karsten Schulze die schlechte Nachricht vom erneut verschobenen Flughafenstart erst einmal richtig verarbeitet hat, will er gar nicht mehr mit dem Schimpfen aufhören. „Wir haben uns darauf verlassen, dass man uns nicht noch mal belügen wird“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Spandauer Busreiseunternehmens Haru Reisen OHG. Eigentlich wollte das Familienunternehmen längst mit drei eigens angeschafften Reisebussen im Linienverkehr zwischen dem Steglitzer Kreisel und dem BER in Schönefeld pendeln. Dann platzte im vergangenen Jahr die für den 3. Juni geplante Inbetriebnahme des Airports wegen Mängeln beim Brandschutz.

Nun ist auch der zwischenzeitlich angesetzte Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 trotz gegenteiliger Beteuerungen Geschichte. Für Karsten Schulze und viele andere Unternehmer aus Berlin und Brandenburg, die vom Wirtschaftsmotor BER profitieren wollen, ist das ein erneuter Tiefschlag, der mittlerweile Existenzen bedroht.

„Ich frage mich, wofür der Flughafen- Geschäftsführer eigentlich sein Geld bekommt, denn Verantwortung trägt er ja offensichtlich nicht“, ärgert sich Schulze. Während „die Protagonisten weiter mit stolzgeschwellter Brust herumrennen, als wäre nichts gewesen“, befinde sich sein Unternehmen plötzlich in einer prekären Situation. Insgesamt rund 800 000 Euro hat das Unternehmen in die drei Busse investiert, sie extra mit jeweils einem Behindertenlift ausstatten lassen. Jetzt stehen sie nur herum.

Umfrage: Was die Berliner zum BER sagen.
Jürgen Krieger, Taxifahrer: „Das ist eine Blamage für eine Metropole wie Berlin. Besser gesagt: für eine Stadt, die gerne eine Metropole sein möchte. Die ersten Verschiebungen waren noch o.k., aber jetzt reicht es. Klaus Wowereit und der Flughafenchef Rainer Schwarz sollten zurücktreten.“Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Mike Wolff
08.01.2013 11:47Jürgen Krieger, Taxifahrer: „Das ist eine Blamage für eine Metropole wie Berlin. Besser gesagt: für eine Stadt, die gerne eine...

„Die werden ja nicht besser“, klagt der Spandauer Geschäftsmann. Den Wertverlust bei Verkauf schätzt er auf zusammen 150 000 Euro. Deshalb stehe die Firma vor der entscheidenden Frage: Mit Verlust verkaufen oder weiter durchhalten. „Aber ohne endgültigen Termin? Schließlich beobachten auch die Hausbanken die Entwicklung“, meint Schulze.

Beatrice Posch muss die möglichen Folgen der erneuten Verschiebung für ihr Geschäfts erst einmal kalkulieren – noch ist sie einfach nur geschockt. „Ich habe die Nacht sehr schlecht geschlafen“, berichtet die Inhaberin zweier Spielzeugläden in Berlin mit dem Namen „Die kleine Gesellschaft“. Auch im BER-Terminal will Posch in einem 60 Quadratmetern großen Laden Spielzeug verkaufen.

Fünf zusätzliche Verkäuferinnen hatte sie deshalb bereits eingestellt, aber nach der Eröffnungsabsage im vergangenen Jahr wieder entlassen müssen. „Die fünf haben Gott sei dank eine Zwischenlösung gefunden. Aber die wollen auch wissen, wann es losgeht. Irgendwann werde ich ja selbst unglaubwürdig“, sagt Posch.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

34 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben