Unterricht und Naturschutz : Freiheit für die Kaulquappe

Vorsicht, liebe Grundschullehrer: Stehen Kaulquappen auf dem Stundenplan, sollte einiges beachtet werden. Die Kleinen stehen nämlich unter Naturschutz. Wer sie dennoch mitnimmt, für den gibt's auch eine Anleitung für die "Kaulquappenaufzucht in Gefangenschaft".

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Daraus wird bald ein Frosch.
Daraus wird bald ein Frosch.Foto: dpa

Es begann damit, dass der neunjährige Manuel am letzten Mittwoch ein paar Kaulquappen in den Unterricht mitbrachte. Seine Klassenlehrerin an der Grundschule in Mitte, immer darauf aus, ihren Kindern nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis der wichtigen Dinge des Lebens beizubringen, aktivierte ein leeres Aquarium, und die begeisterte Klasse befasste sich ab sofort mit der Entwicklung vom Ei zum Frosch. Auch ein Kaulquappentagebuch wurde angelegt.

Dann aber stellte eine Mutter die Frage, ob Leitungswasser denn das ideale Lebenselement für die Quappen sei. Lehrerin Sabine machte sich schlau und entdeckte im Internet, wie sie selbstironisch feststellte, dass „nur dumme, ignorante Lehrer Kaulquappen in der Schule halten“. Quappen stehen unter Naturschutz, ihre Haltung in Schulen ist verboten, und für den Missetäter, der es dennoch, in Unkenntnis der Rechtslage, tut, gibt es eine „Notfallanleitung Kaulquappenaufzucht in Gefangenschaft“. Nur in der Schweiz kann man sich in einer speziellen Schulung zum „Kaulquappenlehrer“ ausbilden lassen.

Da die Zeit für ein Seminar in Zürich fehlte und ein solches angesichts der Lebenserwartung von Kaulquappen auch nicht zielführend gewesen wäre, beratschlagte Lehrerin Sabine mit ihrer Klasse, was zu tun sei. Alle kamen zu dem Schluss, dass man den armen Tieren umgehend ihre Freiheit zurückgeben müsse. Und deshalb findet heute in einer Klasse einer Grundschule in Mitte kein Unterricht, sondern ein Ausflug in den Wald statt, zu dem Tümpel, aus dem Manuel eine Woche zuvor die Tiere gefangen hatte. Für die Tiere die beste Lösung – angesichts des Wetters für Kinder und Lehrerin auch.

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