Berlin : Unterrichtsausfall: "... dann sind die Klassenfahrten tot"

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Schulsenator Klaus Bögers "Initiative gegen Unterrichtsausfall" verwirrt die Schulen. Insbesondere die Vorgabe, wonach Schülerfahrten nur genehmigt werden dürfen, wenn das Unterrichtsangebot für die anderen Klassen vollständig gesichert ist, stellt die Schulen vor die Frage, ob sie Reisen überhaupt noch genehmigen können.

"Wenn wir das Rundschreiben so umsetzen, dann sind die Klassenfahrten tot", vermutet etwa der Leiter der Reinickendorfer Münchhausen-Grundschule, Rainer Neußen. Selbst wenn er zusätzliche Mehrarbeit verordne, könne er nicht alle Stunden abdecken, so seine Erfahrung. Zudem seien die Kollegen durch die weitere Unterrichtsstunde, die sie neuerdings geben müssen, ohnehin schon sehr belastet.

Schulleiter können maximal drei unentgeltliche Zusatzstunden monatlich verordnen. Von der Vierten an muss bezahlt werden, von der Fünften an ist der Personalrat einzuschalten. Ebenso wie Neußen berichtet sein Kollege Jobst Werner von der Vereinigung der Oberstudiendirektoren, dass Mehrarbeit schon jetzt regelmäßig geleistet werden müsse. Aber auch Werner warnt davor, den Bogen zu überspannen. Bevor er die Kollegen weiter belaste, werde er lieber einzelne Stunden ausfallen lassen und dafür auch Ärger mit dem Landesschulamt in Kauf nehmen. Für beide Schulleiter kommt aber eines nicht in Betracht: die vollständige Streichung von Klassenfahrten. Sie seien für die Schüler zu wichtig.

Die Senatsschulverwaltung versteht die Aufregung über angeblich notwendige Mehrarbeit nicht. Bei "langfristiger Planung und Koordination" sei es möglich, Klassenfahrten ohne Unterrichtsausfall zu organisieren, betont Bögers Sprecher Moritz Felgner. Da Fort- und Weiterbildungen künftig vollständig in die unterrichtsfreie Zeit gelegt werden müssten, habe man hier ein neues "Reservoir an Vertretungsstunden". Er bestreitet deshalb, dass infolge der Offensive gegen Unterrichtsausfall zusätzliche Mehrarbeit verordnet werden muss.

GEW-Chef Ulrich Thöne weist darauf hin, dass das angebliche "Reservoir" in keinem Fall reichen könne, da durch Klassenfahrten wesentlich mehr Unterricht zur Vertretung anfalle als durch Fortbildungen. Er empfindet Bögers Offensive als "Drohgebärde", durch die nicht zuletzt Klassenfahrten "noch negativer belegt werden".

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