Unterrichtsausfall : Zweieinhalb Prozent der Stunden finden nicht statt

In Berlin fallen weniger Unterrichtsstunden aus als im Vorjahr. Bildungsminister Zöllner kündigte an, gemeinsam mit Eltern, Lehrern und externen Fachleuten nach Lösungen suchen zu wollen.

Berlin - Im Vergleich zum Schuljahr 2004/2005 sank die Zahl der Unterrichtsausfälle laut einem Bericht der Bildungsverwaltung um 0,1 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Dies sei der niedrigste Stand seit 1998, sagte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Angesichts der anhaltenden Kritik von Schulen und der Gewerkschaft Gew soll seine Behörde gemeinsam mit Lehrern, Eltern und externen Fachleuten nach Lösungen suchen, um die Lage weiter zu verbessern.

Hauptgrund für den Unterrichtsausfall ist offenbar mit zu zwei Dritteln die Erkrankung von Lehrern. Aber auch schulische Veranstaltungen, Prüfungen, Klassenfahrten oder Fortbildung tragen dazu bei. Insgesamt wurden über zehn Prozent der Stunden vertreten. In mehr als dreiviertel der Fälle konnte der Unterricht abgesichert werden.

Gymnasien und Gesamtschulen stärker betroffen

Vom Unterrichtsausfall seien insbesondere Gymnasien und Gesamtschulen betroffen, da dort wegen der fachlichen Spezialisierung eine Vertretung schwieriger zu organisieren sei, sagte Zöllner. Auch zwischen den Bezirken gibt es große Unterschiede. Am höchsten war der Ausfall in Spandau, Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Reinickendorf mit jeweils drei Prozent, während der in Lichtenberg 1,8 Prozent der Stunden ausfielen.

Berlin ist nach Darstellung des Senators das bundesweit einzige Land, das regelmäßig und umfassend über den Stundenausfall informiert. Diskussionen über dieses Thema gebe es überall, allerdings würden sie in Berlin offenbar «mit größerer Empathie» geführt. Die Sicherstellung des Unterrichts habe für ihn weiterhin oberste Priorität. Über Qualität brauche man nicht zu reden, wenn er nicht stattfinde.

Zöllner will Arbeitsgruppen einrichten

Eine Entspannung der Lage verspricht sich Zöllner von der in der ten Koalitionsvereinbarung beschlossenen Neuregelung ab 2007/2008. Danach können Schulen einen Etat von drei Prozent ihres Unterrichtsbedarfs erhalten, um in eigener Verantwortung schneller befristet Vertretungslehrer einzustellen. Für Ersatz bei dauerkranken Lehrern, von denen es derzeit rund 700 gibt, sorgt weiterhin die Schulbehörde.

"Wir sind an die Grenzen einer zentralen Steuerung der Vertretung gelangt", räumte jedoch Zöllner ein. Deshalb sei die Neuregelung auch "nur ein erster Schritt". Um die Situation nachhaltig zu verbessern, müsse "das Gesamtsystem optimiert" werden. Er wolle deshalb im Januar drei Arbeitsgruppen ins Leben rufen.

Eines der Gremien soll sich mit dem Abbau überflüssiger Bürokratie beschäftigen. Die Befreiung von Aufgaben, die nichts mit dem Unterricht zu tun haben, könne auch zur besseren Motivation von Lehrern führen, sagte Zöllner. Er nehme solche Signale ernst und wolle sich der Debatte stellen. Es gebe ein weit verbreitetes Gefühl, dass zu viel auf Lehrer abgeladen werde, obwohl Berlin objektiv mehr Geld als andere Länder in Bildung stecke und mehr Lehrpersonal habe. Auch die Verbesserung der Personalplanung für die Schulen und die Qualität der Schulaufsicht sollen in den Arbeitsgruppen hinterfragt werden. (Von Christina Schultze, ddp)

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