Unterstützung für Bedürftige : Berliner Tafel verteilt Geschenke

Seit voriger Woche verteilt die Berliner Tafel neben Lebensmitteln auch Weihnachtsgeschenke an Bedürftige. Die Krise hat der Verein überwunden

Bojan Krstulovic

Die Geschenke hatte die Tafel zusammen mit MyPlace, einem Anbieter von Mietlagern, in den vergangenen Wochen eingesammelt. Die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth, zeigte sich begeistert von dem Ergebnis. „Die Berliner sind einfach ein Klassevolk!“ Unter den Sachspenden finden sich neue Kindersitze, Anoraks, an denen noch die Preisschilder hängen, viele Bücher, und sogar Fahrräder und Fernseher. Letztere gingen an eine Strafvollzugsanstalt in Brandenburg, so Werth. „Wir überlegen uns natürlich, was wir an wen weitergeben. Das Ziel ist ja nicht, dass in jedem Kinderzimmer ein Fernseher steht.“

Allein in der Markstraße in Reinickendorf haben die Spender über 20 Quadratmeter Lagerfläche gefüllt. „Damit kann man bei uns gewöhnlich eine Doppelhaushälfte ausräumen“, so Thekla Liebnitz, die Berliner Vertreterin von MyPlace. In den anderen fünf Berliner Filialen sei ähnlich viel abgegeben worden. Insgesamt nahmen laut Liebnitz etwa 2000 Berliner an der Aktion teil. „Sie haben dabei nicht nur abgegeben, sondern gegeben.“ Die Menschen hätten sich intensiv Gedanken gemacht, was sie schenken sollen, und Kinder hätten oft ausführlich dargelegt, wieso sie sich etwa von ihren Büchern trennten. „Es hat uns gerührt, mit welcher Leidenschaft die Leute dabei waren.“ In keiner anderen deutschen Stadt sei die Resonanz auf die bundesweit mit den lokalen Tafeln durchgeführte Aktion so groß gewesen.

Die Berliner Tafel hatte in diesem Jahr mit einem dramatischen Einbruch der Geldspenden zu kämpfen. „Zwei Monate habe ich mir das angesehen. Als wir dann an einem Tag nur noch fünf Euro überwiesen bekamen, habe ich Alarm geschlagen.“ Werth erklärt diesen Einbruch mit den großen Naturkatastrophen in Haiti und Pakistan, und auch die Affäre um die Treberhilfe habe zur Spendenflaute beigetragen. „Wir machen einen so erfolgreichen Eindruck, da ist vielen Berlinern nicht bewusst, dass wir auf ihre Hilfe angewiesen sind.“

Nach dem Hilferuf im Oktober sei die Zahl der Mitglieder um 230 auf 1700 angewachsen. Der Mindestbeitrag für die Mitgliedschaft beträgt 2,75 Euro im Monat, zumeist würden aber zwischen fünf und zehn Euro überwiesen. „Wir sind auf die Mitglieder angewiesen. Großspender will ich nicht, da kann bei der nächsten Krise schnell ein großes Loch entstehen.“ Auch die Spenden hätten inzwischen wieder das Niveau des Vorjahres erreicht. Zumindest für die nächsten zwei Monate sei die Arbeit der Tafel gesichert. „Wir werden niemals aufgeben. Sollten wir erneut in Geldnot geraten, rufe ich eben wieder um Hilfe. Die Berliner werden uns nicht im Stich lassen.“

Vor einer Woche hatte die Tafel die Schließung eines Kinderrestaurants in Kreuzberg angekündigt. Diese Entscheidung wäre nach Werth aber auch unabhängig von der finanziellen Lage des Vereins getroffen worden. Aufgrund der ausgeweiteten Ganztagsbetreuung der umliegenden Schulen bestehe dort kein Bedarf mehr. Bojan Krstulovic

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