Untersuchung : Dekra warnt vor Gefahren auf Berlins Spielplätzen

Wieder haben Experten die Sicherheit von Spielplätzen untersucht – und wieder war keiner ohne Mängel. Dabei gibt es ein klar geregeltes Kontrollsystem.

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Schwieriges Terrain. Probleme gibt es nicht nur mit den Spielgeräten, sondern oft auch mit dem vielen Dreck auf Spielplätzen.
Schwieriges Terrain. Probleme gibt es nicht nur mit den Spielgeräten, sondern oft auch mit dem vielen Dreck auf Spielplätzen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Auf Berlins Spielplätzen können Kinder echte Abenteuer erleben. Allerdings nicht unbedingt solche, die sie und ihre Familien sich wünschen. Die Prüforganisation Dekra hat erneut stichprobenartig die Spielplätze der Stadt untersucht – und keinen einzigen wirklich einwandfreien gefunden. 29 Mängel an 51 geprüften Geräten bedeuten eine Quote von 57 Prozent.

„Die Gefährdungssituation auf den Berliner Spielplätzen hat sich auf einem bedenklich hohen Niveau eingependelt“, resümiert der verantwortliche Dekra-Experte Frank Hoffmann. Von den 29 Mängeln seien 15 schwerwiegend gewesen. Typische Probleme seien lose Befestigungen, Reckstangen und Geländer, hervorstehende Schrauben, kaputte Sitzflächen, gesplitterte und morsche Balken – und oft auch einfach große Mengen Dreck. „Teilweise fehlt einfach die Müllabfuhr“, sagt Hoffmann. Allerdings hütet er sich, den Verantwortlichen Vorwürfe zu machen. „Das Interessante ist, dass beispielsweise gesplitterte, morsche Balken in einem Fall von unten gar nicht erkennbar waren. Auf den ersten Blick sah dieser Spielplatz richtig gut aus.“ Wenn die Mängel für Laien so schwer erkennbar sind, ist fachkundige Kontrolle umso wichtiger. Verantwortlich sind für öffentliche Spielplätze in der Regel die Bezirksämter oder Wohnungsbaugesellschaften bzw. Eigentümer von Wohnanlagen.

Eine Ende 2008 veröffentlichte europäische Norm verlangt laut Dekra wöchentliche Sichtkontrollen, dreimonatliche Funktions- und Stabilitätsprüfungen sowie jährliche Hauptinspektionen. Im Bezirksamt Pankow heißt es, die wöchentlichen Kontrollen würden von eigenen, regelmäßig geschulten Mitarbeitern absolviert, die monatlichen und jährlichen würden extern vergeben. Diese Rotation solle auch gegen „Betriebsblindheit“ helfen. In Kontrollbüchern muss der Zustand der Geräte dokumentiert werden; einmal jährlich muss laut Ausführungsvorschrift der Vorgesetzte oder Auftraggeber das Buch gegenzeichnen. Welche Spielplätze – stadtweit waren es diesmal elf – die Dekra kontrolliert hat, will sie nicht verraten.

Dass die Kontrollen nicht unbedingt repräsentativ sind, lässt die stark schwankende Mängelquote vermuten: Bei der Premiere 2011 seien es 39 Prozent gewesen, im Jahr darauf 118 und im vergangenen Jahr 58 Prozent. Vergleichszahlen aus anderen Städten gibt es nicht. Wie oft Kinder auf Spielplätzen zu Schaden kommen, ist kaum bekannt. Das Landesamt für Arbeitsschutz und technische Sicherheit erfasst solche Unfälle ebenso wenig wie der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV). Bei einer vor zwei Jahren erstellten Studie zu Kinderunfällen „spielten Spielplätze gar keine Rolle“, sagt GDV-Sprecherin Kathrin Jarosch. Subjektiv hätten Unfälle im Straßenverkehr aus Sicht der Eltern dominiert. Und objektiv passiere den Kindern zu Hause am meisten.

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