Berlin : Unterwegs ohne Stulle

Was Russen als Reiseproviant mitnehmen

Anne-Dore Krohn

Russland ist in diesem Jahr bei der Grünen Woche das Partnerland. Täglich bis zum 22. Januar empfiehlt deshalb ein Kenner der russischen Küche, was man unbedingt probieren sollte.

Eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn beginnt immer gleich: Sobald der Zug angefahren ist, kramen die Reisenden in ihren Taschen nach dem Proviant. „Gutes gemeinsames Essen ist das Wichtigste“, sagt André Bassow. „Alles wird geteilt, auch mit Fremden.“

Der 39-Jährige ist schon mit dem berühmten Zug gefahren. Aufgewachsen ist er in Ost-Berlin, später zog er für vier Jahre ins damalige Leningrad. Er wollte das Land kennen lernen, von dem seine Eltern erzählt hatten und dessen Küche er in seiner Kindheit genossen hatte. Im Beruf berücksichtigt er seine Herkunft wie seine Vorlieben: Er ist Geschäftsführer des Reisebüros „Vostok“ in Mitte und Spezialist für Fahrten mit der legendären Eisenbahn.

Von Moskau bis Wladiwostok sind es 9300 Kilometer: viel Zeit zum Quatschen, Landschaftbewundern – und eben Essen. Viele packen ihre Taschen vorher prall mit Proviant: Brot, Käse, Wurst, Schinken, Speck oder gebratene Hühnchen werden in Zeitungspapier gehüllt, das im Zug gleich als Unterlage dient. Alles wird ausgebreitet und aufgeschnitten. „Fleisch darf auf keinen Fall fehlen“, sagt Bassow, „am besten geräuchert oder getrocknet, das hält sich länger.“ In jedem Waggon steht ein Samowar mit heißem Wasser. „Auch wenn es über Russland ganz andere Gerüchte gibt: Es wird viel mehr Tee als Wodka getrunken“, sagt Bassow. Im Speisewagen sitzen nur wenige. Lieber steigen die Passagiere auf einem der Bahnhöfe aus. Dort stehen „Mütterchen mit Töpfchen“, erzählt Bassow, „und verkaufen schmackhafte warme Speisen wie Pelmeni oder Blini.“ Nur muss man aufpassen, dass man den Zug nicht verpasst – ein Abfahrtsignal gibt es nicht. Er fährt einfach los, allerdings so langsam, dass man noch aufspringen kann.

Auf der Fahrt mit der „Transsib“ ist der Proviant also sehr abwechslungsreich. Butterbrote, bei uns der Inbegriff der Mahlzeit für unterwegs, sieht man jedoch nirgends – obwohl der Ausdruck „Buterbrod“ im Russischen als deutsches Lehnwort existiert. Das ist allerdings eine Klappstulle ohne Butter. „Niemand würde bei uns Brotscheiben buttern“, sagt André Bassow. „Verschiedene Gewohnheiten gehören eben an verschiedene Orte.“

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