Berlin : Untreue ohne Eigennutz

Urteil im Bankenskandal: Ex-LBB-Vorstand Jochem Zeelen muss 52 800 Euro Geldstrafe zahlen

Kerstin Gehrke

Nach 54, zum Teil sehr zähen Verhandlungstagen kam es gestern zu einem weiteren Urteil im Berliner Bankenskandal: Das ehemalige Vorstandsmitglied der Landesbank Berlin (LBB), Jochem Zeelen, wurde wegen Untreue im Zusammenhang mit der Rückabwicklung eines so genannten Prominenten-Fonds zu einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu je 220 Euro (52 800 Euro) verurteilt. Das Landgericht machte den 64-Jährigen für einen Schaden für die LBB von 49 000 Euro mitverantwortlich.

Hintergrund des Prozesses war der Gehag-Fonds 12. Der Immobilien-Fonds war im Jahr 1993 von der LBB aufgelegt und ausgesuchten Anlegern angeboten worden – darunter Prominente, führende Mitarbeiter anderer Banken und konzerneigene Mitarbeiter. Die Anlage war vor allem für Spitzenverdiener interessant, da hohe Steuervorteile lockten. Doch spätestens 1997 war den 40 Anlegern klar, dass der Fonds finanziell zum Scheitern verurteilt war.

Die LBB entschloss sich schließlich zur Rückabwicklung, um Klagen der Anleger und damit einen Imageverlust zu verhindern. Bei dieser Entscheidung aber hätten Zeelen, der Ex-Vorstand Ulf-Wilhelm Decken und der ehemalige LBB-Mitarbeiter Willi B. verschwiegen, dass wegen der immensen steuerlichen Vorteile für die Anleger de facto kein Anspruch mehr auf Schadensersatz bestanden habe, hieß es im Urteil der Wirtschaftsstrafkammer.

Die Anklage war von einem Schaden von 900 000 Euro bei der Rückabwicklung ausgegangen. Sie hatte neben einer hohen Geldstrafe eine einjährige Bewährungsstrafe gegen Zeelen verlangt. Aus Sicht der Richter aber stellte lediglich die Auszahlung von 75 Prozent des Nominalwertes an einen damaligen leitenden Mitarbeiter der Bank eine Untreue dar. Zeelen selbst habe sich nicht bereichert, unterstrich die Vorsitzende Richterin und sprach von einer „fremdnützigen Untreue“. Er hatte sich seinen Anteil von rund 50 000 Euro nicht auszahlen lassen.

Zeelen war bereits im Februar gemeinsam mit Decken wegen Bilanzfälschung zu einer Geldstrafe verurteilt worden, hat dagegen aber Rechtsmittel eingelegt. Das Verfahren liegt nun beim Bundesgerichtshof. Seit Juli läuft vor dem Landgericht außerdem der Schlüssel-Prozess in der Bankenaffäre. In dem Großverfahren müssen sich der frühere Berliner CDU-Fraktionschef und Berlin-Hyp-Vorstand Klaus Landowsky und weitere Ex-Manager verantworten.

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