Berlin : Unverhoffte Bewegung

Nach dem Erfolg vom Samstag erwarten Berlins Friedensgruppen mehr Zulauf für ihre Proteste und Ostermärsche

Lars von Törne

Eine Überraschung, ein großer Erfolg – aber noch lange keine Renaissance der Friedensbewegung aus den 80er Jahren. So bewerten die Veranstalter und Landespolitiker von SPD, Grünen und PDS die große Antikriegs-Demonstration vom Sonnabend. Dass mit rund 500 000 Teilnehmern fünfmal so viele Menschen wie erwartet durch die Stadt zogen, überraschte auch die Organisatoren, sagt Laura von Wimmersperg. Weder in der Friedensinitiative Wilmersdorf, der sie angehört, noch bei anderen Gruppen sei der Zulauf im Vorfeld zu spüren gewesen.

„Jetzt müssen wir nachlegen, um den Schwung zu nutzen“, sagt die Aktivistin, die seit 23 Jahren Antikriegs-Veranstaltungen organisiert. In dieser Woche trifft sie sich mit Vertretern anderer Gruppen, um das Programm für die Ostermärsche festzulegen, auch für den „Tag X“, den möglichen Beginn des Angriffs auf den Irak, bereite man eine Demonstration vor. Von den Protestierern, die auf der Straße waren, werden sich nur wenige kontinuierlich engagieren, denkt Frau von Wimmersperg: „Es hat Anfang der 80er beim Protest gegen die Nato-Nachrüstung drei Jahre gedauert, bis das Netz der Friedensbewegung geknüpft war, das lässt sich nicht innerhalb einiger Wochen wiederholen.“

Den Grund für die überraschend hohe Beteiligung sehen viele Beobachter ohnehin vor allem in der Dramaturgie der Weltpolitik, die eher zufällig eine Vorlage für den 15. Februar lieferte: „Nach dem zweiten Bericht von UN-Inspekteur Blix am Freitag hatten mehr Menschen als zuvor das Gefühl, es ist noch nicht zu spät“, sagt die grüne Fraktionschefin Sibyll Klotz. Sie selbst traf am Sonnabend viele Freunde, die aus diesem spontanen Gefühl heraus das erste Mal seit Jahren wieder auf einer Demo waren – „aber die würden trotzdem nicht nächste Woche einer Friedensgruppe beitreten“.

Jens-Peter Steffen von der internationalen Ärzte-Friedensgruppe IPPNW ist da optimistischer: „Viele alte Gruppen haben durch den Sonnabend neuen Schwung bekommen.“ So kündigte zum Beispiel der Zusammenschluss „Künstler für den Frieden“ während der Demonstration am Sonnabend an, künftig wieder aktiver zu werden.

Ob sich jetzt mehr Leute engagieren, zeigt sich vielleicht schon heute Abend: Steffen erwartet auch bei der Montagsdemo für den Frieden vor der Humboldt-Uni regen Zulauf.

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