Berlin : Unzufrieden mit dem Lohn

Was Berliner Ärzte tatsächlich verdienen

Ingo Bach

Das Image des gutsituierten Arztes hält sich hartnäckig. Doch wieviel verdient ein niedergelassener Mediziner wirklich? Zwei Beispiele von Berliner Fachärzten, die sich an den Protesten gegen die rot-grüne Gesundheitspolitik beteiligen.

Jörg Zimmermann ist niedergelassener Orthopäde in Tempelhof. Er schloss gestern seine Praxis, zumindest für Kranke ohne Termin. Der 51-Jährige betreibt mit einem Kollegen eine Gemeinschaftspraxis am Tempelhofer Damm, beschäftigt acht Mitarbeiter und kann über mangelnde Patientennachfrage nicht klagen: „Die Praxis ist immer voll.“ Inklusive seiner Privatpatienten erwirtschaftet er einen jährlichen Bruttogewinn von 112 000 Euro. Am Ende bleiben ihm 2700 Euro netto im Monat (siehe Beispielrechnung in der Grafik). Er ist mit dem Einkommen nicht zufrieden: „Genausoviel verdient ein Studienrat, dessen Stelle aber viel sicherer ist.“ Seine Ehefrau verdient zwar auch, aber eine Nullrunde bei den Honoraren will er nicht kampflos hinnehmen. „Seit 1993 sinken die Honorare kontinuierlich, da wäre eine wirkliche Nullrunde schon ein Fortschritt.“ Doch bedeute der von der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt geplante Stopp bei der Leistungsvergütung ein Reallohnverlust von acht Prozent, haben Ärztefunktionäre errechnet. „Ich habe drei Kinder“, sagt Zimmermann. „Bei dem Einkommen ist ein Übersee-Urlaub nicht mehr drin.“

Auch der Kreuzberger Kardiologe Anton Rouwen beteiligt sich an den Protesten seiner Kollegen. In seiner Praxis am Mehringdamm wird er heute nur Patienten mit Termin behandeln, alle anderen müssen einen Tag warten oder zu einem anderen Arzt ausweichen. Rouwen sagt, dass er nicht reich werde mit seinen Patienten. 240 000 Euro Umsatz wirft die 250 Quadratmeter große Gemeinschaftspraxis von zwei Ärzten im Jahr ab. Die beiden beschäftigen zwei Arzthelferinnen und zwei Azubis. Wenn deren Lohn, die Betriebsausgaben und die Miete bezahlt wurden, bleibt Rouwen ein Bruttogewinn von 55 000 Euro jährlich - ausschließlich mit Kassenpatienten. Davon gehen 16 500 Euro für Steuern weg, 8250 Euro für die Rentenversicherung, 10 000 Euro für die Ratenzahlung seines Praxiskredits und 3600 Euro für die Krankenversicherung. Bleiben 16 650 Euro Netto im Jahr oder 1280 Euro im Monat. Rouwen behandelt zusammen mit seinem Kollegen 1200 gesetzlich Versicherte im Quartal, dazu weitere zehn Prozent Privatpatienten. Von Ärzten ist zu hören, dass man mit einem Privatversicherten etwa das Dreifache dessen erwirtschaften kann, was man für einen Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen bekommt. Rouwen: „Es kann doch nicht sein, dass eine Praxis nur funktioniert, wenn die Behandlung der Kassenpatienten mit den Privatversicherten quersubventioniert wird.“

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